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Grinde
Seetüchtig und überraschend schnell
Mit dem vollschlanken Rumpf, dem stumpfen Steven und dem Spitzgatter-Heck
erzeugt die Grinde mehr den Eindruck solider Sicherheit als hoher
Geschwindigkeit, aber unter der Wasserlinie verstecken sich schnelle und gut
segelnde Linien. Das ist ein durchweg solides, seetüchtiges und geräumiges
Boot für angenehmes sicheres Fahrtensegeln, welches man für einen wirklich
fairen Preis von 200-250.000 Dänische Kronen( also ca. 55-65.000 DM) bekommt.
Die Grinde von 1973 hat immer ein unverdient anonymes Dasein im Schatten ihrer
nur wenige Jahre älteren kleinen erfolgsgekrönten Schwester geführt.
Designmäßig haben sie Gemeinsamkeiten, aber es sind trotzdem deutlich
unterschiedliche Boote.
Ob die Grinde schön oder hässlich ist, hängt vom Auge des Betrachters ab,
aber sie lässt niemanden kalt. - Unglaublich schönes Design sagen die einen,
- plump mit Boxerschnauze sagen die anderen.
Es steckt mehr Seeschiff in der Grinde als im Spækhugger, mehrere sind speziell
für Weltumsegelungen bestellt und gebaut worden. Auf Barbados sind zum Beispiel
12 Grinden als Charterschiff unterwegs.
1976 überraschte die Grinde sechs Testsegler der dänischen Zeitschrift
Baadnyt. Da gewann die Grinde knapp einen Vergleichstest gegen besonders
angesehene Boote wie Elvstöm 32 Cruiser, Scampi und Ballad. Es war besonders
überraschend, dass sie auch mit den besten Allround-Segeleigenschaften gewann.
Die Grinde segelt wirklich gut in jeder Art von Wetter. Besonders überraschte
sie in hoher See, wo sie viel besser segelt, als das Aussehen vermuten lässt.
Sie läuft gut durch die See, und gleichzeitig ist sie leicht zu steuern, und
macht sowohl Fahrt wie auch Höhe. So beschrieben die Tester der Baadnyt 1976 die Grinde.
Ein langjähriger Grinde-Segler charakterisiert ebenfalls die Grinde als ein
Boot, das sich unglaublich gut in schwerem Wetter birgt und das unglaublich
angenehm zu segeln ist, und ein anderer Grinde-Segler besitzt nicht mal
Seglerstiefel.

Man soll sich nicht vom Aussehen täuschen lassen,
die Grinde ist ein ausgezeichnetes Regattaboot.
Sie trägt Spinnaker auf raumen Kurs bis 10-12m/s und auf platteren Kursen bis
20m/s. Und sie liegt nicht und krängt (geigt) mit dem Spinnaker wie zum
Beispiel der Spækhugger. Andere stellen ihr ein Zeugnis als unruhig auf dem
Wasser aus, aber dieses meistens im Vergleich mit schwereren und schlankeren
Booten. Kurze und steile Kabbelsee werden jedoch nie das Liebste für ein Boot
mit breiter Schnauze wie die Grinde werden.
Vom Regatta- zum Tourenboot
Das Wal-Boot begann sein zartes Leben auf dem Zeichentisch von Peter Brunn als
schnelles Regattaschiff, und in den ersten Jahren erntete Peter Bruun viele
Preise auf den Regattabahnen. Speziell auf den Meer-Rennen wie SkawRace, und
1974 wurde er mit der Grinde Zweiter bei dem skandinavischen 1/2-Tonner Cup in
Marstrand. Hier waren die späteren Topsegler der dänischen Meeresregatten
Jan Persson und Niels Ditmar in der Besatzung.
Heute wird die Grinde mehr als gediegenes, schwereres und geräumiges Familien-
und Fahrtenschiff gesehen. Aber es sind immer noch Grinden auf diversen
Regattabahnen dabei, es wird jedes Jahr sogar eine offene Klassenmeisterschaft
veranstaltet.
Designmäßig liegen die Grinde und ihr Schwesterschiff Spækhugger auf einer
geraden Linie mit der klassischen dänischen Spitzgatter-Tradition.
Designer Peter Bruun lernte als ganz Junger von Aage Utzon Boote zu
konstruieren, der einige der schönsten, schnellsten und am besten segelnden
Klassen-Spitzgatter zeichnete.
Das war kein moderner Spitzgatter, den Peter Bruun zeichnete, aber die Linien
des Stevens und des Ruders verleugnen nicht die Verwandtschaft mit Utzon. Man
sieht auch Utzons Ideen und Gedanken in dem breiten Deck, auf dem man sich gut
bewegen kann. In den Abmaßen und der Segelfläche erinnert die Grinde über
Wasser an den 45m² Utzon Spitzgatter, der bei der Sjælland Rund Regatta
die beiden ersten Jahre gewann.
Und abgesehen vom Spitzgatterheck waren die Linien unter Wasser sehr modern,
auf den Konstruktionszeitpunkt bezogen.
Heutzutage haben die modernen Fahrtenschiffe noch flachere Linien , aber nur
wenige einen Auslauf wie die Grinde achtern.
Das breite Deck hat ein gute Antirutschstruktur, aber unter Krängung verlocken
die schrägen Aufbauseiten zum stehen und drauf gehen. Dafür ist aber das
blanke Glasfiber viel zu glatt. Hier sollte an den strategischen Stellen extra
Antirutschstruktur aufgeklebt werden.
Rumpfmäßig ist die Grinde enorm stark gebaut; ebenso wie Mastbrüche sehr
selten sind. Der Kiel sitzt derweil so solide in den Sitz geklebt, dass es fast
keiner Kielbolzen bedarf. Allerdings kann dieses ein großes Problem werden,
wenn der Kiel nach einer Havarie entfernt werden muss, erläutert Gutachter John
Kristensen.
Solide, aber schwache Maschine
Der originale
10 PS Bukh Diesel ist gerade die Untergrenze für ein Boot wie die
Grinde. Hafenmanöver und besonders Fahrt gegen den Strom in Rinnen werden
leichter und sicherer mit mehr Maschinenleistung.
Der Motor ist auch laut, aber dafür ist dieser Bukh-Motor durchweg solide und
langlebig. Die Installation eines größeren Motors bedeutet, dass das Boot nicht
von den Norske Veritas abgenommen wird, da zum Beispiel ein verstärktes Ruder
verlangt wird.

Hier ist die neue Dinettenversion zu sehen, unter anderem ohne
Kork-Verkleidung an den Seiten. Die ursprüngliche Einrichtungsversion ist
einfacher, wo die Rücklehnen auch als Schlingerschutz gebraucht werden
können.

Kleiner Trimmguide für die Grinde
Der Mast muss im dritten Loch von vorne im Mastfuß stehen. Als erstes müssen die
vorderen Unterwanten stark gespannt werden (mit Werkzeug). Danach müssen die
Oberwanten sehr stark angezogen werden. Denke die ganze Zeit daran mit dem Fall
zu prüfen, ob der Mast gerade im Boot steht. Nun wird der Mast sich an der
Spitze ein wenig nach hinten krümmen.
Jetzt wird das Vorstag gespannt, bis der Mast - von der Seite gesehen - gerade
steht. Das Achterstag wird nun so stark wie möglich angezogen. Falls die
Oberwanten an der Saling einen leichten Knick nach hinten bekommen haben (von
der Seite gesehen), muss das Vorstag so lang angezogen werden bis er
verschwindet.
Denke daran, das Achterstag vorher zu lösen. Nun werden die hinteren Unterwanten
mit der Hand dicht geholt. Dann das Babystag nach Bedarf anziehen.
Um eine optimale Höhe zu laufen, ist es für die Grinde wichtig, dass das Vorstag
und damit auch das Achterstag sehr hart stehen.
Unter Deck ist die Grinde einfach, klassisch und funktionell. Sie wirkt
großräumig, und das Auge wird nicht betrogen. Da ist viel Stauraum,
Schubladen- und Schrankplatz. Die Grinde wurde in mehreren Versionen gebaut, und
die ursprüngliche hatte zwei (Lotsen-) Schlingerkojen, wo die Sofarücklehnen
als Schlingerschutz verwendet werden. Die spätere Dinettenversion hat
Schränke und ein Bücherregal anstelle dieser Kojen.
Die Schlingerkojen sind gut für ein Nickerchen bei längeren Schlägen und
besonders für Familien mit kleinen Kindern geeignet. Sonst sind die
Platzverhältnisse im großen Vorschiff mit klassischer Einrichtung und zwei
Kojen sehr gut für Kinder.
Die Pantry und der Navigationsplatz waren in der Original-Grinde schlicht und
primitiv als das Boot auf den Markt kam, aber es wurde teilweise mit der
Dinettenversion verbessert. Die Grinde ist daher auch mit vielen individuellen
Umbauten zu finden, wo Eigner sich an der Einrichtung mit guter und weniger
guter Ausnutzung des Platzes versucht haben.
Es gibt zum Beispiel Boote, die dahingehend umgebaut worden sind, dass nur zwei
Personen an Bord sind.
Gut ausgenutztes Cockpit
Das Cockpit ist klein, gemessen in Länge und Breite, aber der Platz ist gut
ausgenutzt, weil der (Groß-) Traveller auf dem Kajütdach platziert ist und kein
Ruderschaft Platz wegnimmt. Einige finden das Cockpit unbequem, aber man sitzt
wirklich gut auf dem Deck und steuert im frischen Wind. Dagegen wirkt es etwas
unüberlegt, dass man die Pinne nicht hochklappen oder abnehmen kann, wenn man
im Hafen ist. Aber auch hier kann man sich mit Tricks und Erfindergeist
helfen, besonders weil man unglaublich viel gutes Gebrauchtboot für sein Geld
bekommt. Es ist auch ein Vorteil, dass die Teak Bänke mit etwas Abstand über
den Backskisten montiert sind, da so das Wasser ablaufen kann.
Die ursprünglichen Backskisten sind nur ein großer Raum, der nicht zum Motor
hin abgeschirmt ist. Wenn da noch nichts eingerichtet wurde, muss man selber
ran. Aber es sollte ein Zugang durch die Backskiste zum hintern Teil des Motors
erhalten bleiben.
Der Dansk-Grinde-Klub ist ein besonderer Verein mit 119 Grindeeignern als
Mitglieder und mit Aktivitäten für Fahrten- und Regattasegler. Es gibt viele
kreative Mitglieder, die gute Ratschläge rund ums Boot geben. Gute Ideen
werden aufgezeichnet, niedergeschrieben oder auch an andere vermarktet.

einfaches und funktionelles Cockpit.
Wir sind besonders erfreut über die Teakauflagen auf den Cockpitbänken.
Schwachpunkte der Grinde
1.Das Ruder kann bei einzelnen Booten undicht und damit wassergefüllt sein. Es
besteht dann das Risiko von Frostsprüngen. Wenn das Boot im Wasser ist, sollte
man probieren, das Ruder ein wenig nach unten zu drücken.
Kann man das Ruder nach unten drücken und ist ein wenig Spiel im Ruderbeschlag,
ist alles in Ordnung. Das Ruder schwimmt oben im Beschlag. Falls das Ruder sich
nicht drücken, aber stattdessen heben lässt, ist Wasser im Ruder.
An Land ist es schwer zu überprüfen, ob das Ruder innen trocken ist. Wenn man
ein Boot vor dem Kauf nicht im Wasser testen kann, sollte man einen Vorbehalt in
den Kaufvertrag schreiben.
2.Die Original Seetoilette der Grinde ist aus Aluminium und einige davon
korrodieren am oberen Rand. Das bedeutet, dass der Deckel nicht mehr luftdicht
verschlossen werden kann und die Toilette so nicht mehr richtig funktioniert.
Sie muss ausgetauscht werden.
3.Wegen ihres speziellen Finnenkiels sollte die Grinde an Land am besten in eine
spezielle Kielhalterung gestellt werden. Man sollte daher die Halterung
mit übernehmen, oder mit einrechnen, die Kielhalterung gibt es für ca. 3000 Dkr.
beim Schmied in Saunte bei Helsingör
4.Die Korkverkleidung im Salon und Vorschiff kann durch schlechte Pflege
hässlich werden. Mit Chlorreinigern kann sie wieder gereinigt werden.
5.Haarrisse an den Ecken des Travellers auf dem Kajütdach und an der hinteren
Kajütwand sind rein kosmetisch und können vernachlässigt werden.
6.An Land kann es so aussehen, als ob der Kiel 1 cm aus seinem Sitz gerutscht
ist, aber es fehlt nur etwas Spachtelmasse (z.B. nach einer Grundberührung),es
bedeutet nichts.
Dagegen dürfen unter den Bodenbrettern vor der Pantry im Rumpf keine Haarrisse
zu sehen sein. Sollte dies der Fall sein, ist unbedingt ein Bootsbauer um Rat zu
fragen.
Jan Sticklus im März 2001 (ohne Gewähr)
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