Rudervergrößerung

1. Allgemeine Anmerkungen

2. Beschreibung eines Selbstbaues

3. Materialliste

1. Allgemeine Anmerkungen

Das Ruderblatt der Grinde ist relativ klein und hat einen großen Skeg davor.
Dieses führt zu einer eingeschränkten Manövrierfähigkeit. Enge Radien und 
kontrollierte Rückwärtsfahrt sind kaum möglich. Dieses kann besonders bei
Hafenmanövern bei (Seiten-) Wind zu Schwierigkeiten führen. 
Um die Manövrierfähigkeit zu verbessern, gibt es zwei Möglichkeiten: den 
großen Skeg zu verkleinern, oder weniger problematisch das Ruderblatt zu 
vergrößern.

Eine Vergrößerung des Ruderblattes um 10 cm, von einem Dänen erstmalig 
realisiert und inzwischen mehrfach nachgebaut, hat sich bewährt und ist nur zu 
empfehlen. 
Um die Veränderung der Ruderwirkung bei einer Vergrößerung nachzuvollziehen 
zu können, habe ich aus Aluminiumblech einen Aufsatz gebaut. Diesen 
tauchenderweise mit Kabelbindern am Ruderblatt umgeschnallt und 
anschließend überzeugende Testrunden gedreht.

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Schiff dreht unter Maschine im Hafen langsam voraus viel enger als vorher 
(ca. 2/3 Radius) und lässt sich endlich rückwärts steuern. Das hilft beim 
Einparken in die Boxen ganz ungemein. Auch unter Segel haben sich die 
Eigenschaften deutlich verbessert. Das Schiff lässt sich direkter und 
feinfühliger steuern, ohne die Gutmütigkeit verloren zu haben. Wenden lassen 
sich enger und schneller durchfahren. Der Ruderdruck bleibt unverändert, 
wächst aber bei schneller Rückwärtsfahrt.

Ruderausbau 

Grundsätzliches:
1. man sollte zu zweit sein
2. die Pinne ist schon entfernt
3. von dem unteren Beschlag am Skeg die Finger lassen, der bleibt dran!

Vorgehensweise:
Den oberen Beschlag abbauen.
Von innen die Muttern der zwei großen Sechskantschrauben die durch die 
Püttingsbleche und die Rumpfoberkante gehen, lösen und die Schrauben 
rausdrehen. 
Dann die Senkkopfschlitzgewindeschrauben die von oben durch die 
Niroplatte durchs Deck gehen entfernen. Auch hier die Muttern von innen lösen und die 
Schrauben rausdrehen. 
Nun das Ruderblatt ordentlich sichern (mit Tauwerk oder 2. Person). 
Dann sind da noch 2 Blechschrauben ganz am Rand des Nirobeschlags, die von oben 
rausgedreht werden. 
Jetzt ist der Beschlag losgeschraubt, aber noch nicht lose,
denn er ist mit Dichtmasse (Silikon) angeklebt. 
Vom Rand einen Hebel (gr. Schraubendreher, Stechbeitel ..) ansetzen und langsam 
die Silikonverbindung lösen.
Irgendwann ist es soweit, der Beschlag ist los und kann nach oben aus dem Ruderlager 
gezogen werden. 
Das Ruder ist oben frei und hoffentlich gut gesichert, und kann nun aus dem 
unteren Ruderlager rausgehoben werden. Das Ruderblatt lässt sich noch gut 
alleine tragen, aber mit 2 Leuten geht es kontrollierter.
So das war´s, einbauen in umgekehrter Reihenfolge ! 
Tipps hierzu :
- größere Unterlegscheiben und neue selbstsichernde Muttern verwenden. 
- bei der Gelegenheit Ruderlager kontrollieren und evt. tauschen 


Ruderblattvergrößerung 

Grundsätzliches:
1. das Profil des Ruderblattes bleibt erhalten, es wird nur gestreckt
2. die Abrisskante (Ende des Profil) sollte nicht verändert werden
3. die Dimensionierung ist nur ein Vorschlag (der sich bisher bewährt hat), es 
gibt keinerlei Gewähr oder gar Haftung 
4. für dieses Projekt braucht man schon etwas GFK/Epoxid/Laminier-Erfahrung 
und eine Menge Zeit !
5. die Zeichnung beachten

Grobe Vorgehensweise:
Ruderblatt unter der Wasserlinie komplett von allen Anstrichen befreien, bis 
aufs Gelcoat.
Im Schäftungsbereich auf beiden Seiten Gelcoat entfernen, das heißt oben 
(Wasserlinie) 25 cm , unten 20 cm von Hinterkante gemessen. 
Wenn das Laminat nass sein sollte, dann muss es erst mal vollständig 
austrocknen.
Alle Defekte im Laminat entfernen und dann neu aufbauen, damit die Vergrößerung 
nur an intaktes Material angesetzt wird. 
Grob anschleifen.
Material im folgenden : Epoxid-Harz
Einen massiven Keil laminieren (aus vielen Mattensteifen, Form aus Holzbrettern 
bauen), 115cm lang, 10 cm breit, 2 cm dick.
Diesen Keil an die alte Abrisskante des Ruderblattes fixieren.
Die Keil steht jetzt etwas über (paar Millimeter auf jeder Seite). Auffüllen 
mit Epoxid-Spachtel oder Laminat!
Nun die erste Mattenlage über die volle Breite aufbringen. 
(115cm lang,ca35cm breit, 4 fach Glasgelege (0°/90°/+-45°) 1200g/m^2). 
Die folgenden Mattenlagen werden immer schmaler . 
Nun die zweite Mattenlage aufbringen (ca. 32cm breit, 4 fach Glasgelege 
1200g/m^2). 
Nun die dritte Mattenlage aufbringen (ca. 29cm breit, 4 fach Glasgelege 
1200g/m^2). 
Nun die vierte Mattenlage aufbringen (ca. 26cm breit, 4 fach Glasgelege 
1200g/m^2). 
Nun die fünfte Mattenlage aufbringen (ca. 23cm breit, 4 fach Glasgelege 
1200g/m^2). 
Dies auf beiden Seiten
Komplett austrocknen lassen.
Abwechselnd spachteln und schleifen (Bandschleifer) bis die Form stimmt.. 
Oberflache mehrfach mit Epoxid (klar) versiegeln!
Mindestens eine Woche trocknen lassen, dann erst Antifouling oder Primer 
auftragen.

RUDERBLV.jpg (172341 Byte)  

 Die Skizze kann durch Anklicken vergrößert werden.

Eine Firma in der Nähe von Kiel hat inzwischen die Erfahrung mehrerer Grinde-Ruderblattvergrößerungen gesammelt und liefert sehr gute Arbeit zum fairen Preis (unter 1000DM). Bei Interesse wenden Sie sich bitte per Mail an uns. 

Ruderlager  

Die Ruderlager sind als Kunststoffbuchsen ausgeführt, in denen die Ruderwelle mit 35mm Durchmesser gelagert ist. Etwas Spiel und ein leichtes Klappern des Ruders deuten auf verschlissene Lager hin. Nach dem Ausbau zeigte die Vermessung der Lager bei uns einen Verschleiß von bis zu 0.3mm. Ersatz gibt es in Dänemark bei Baltic-Baadudstyr, oder man kann sich die Lager drehen lassen, z.B. bei Fa. Allku in 25474 Bönningstedt. Selbermachen ist wohl die beste Lösung, es ist günstiger und man kann besser anpassen. Als Rohmaterial findet der Kunststoff Polyacetal, POM auch Delrin oder Hostaform genannt Anwendung. Für ein 0,5m langes Stück 70mm Durchmesser bezahlt man unter 50.-DM.

Jan Sticklus

2. Beschreibung eines Selbstbaues

 

 

 

 

Herbst : Ruder ausgebaut, nach Vorgabe Anleitung Grinde-Club mit einer 40ger Schruppscheibe alle Farbschichten und Gelcoat bis zum Laminat entfernt. Einige Löcher reingebohrt und zum trocknen im Heizungskeller gelagert.

Frühjahr: Wir haben festgestellt, dass auch die restliche Fläche des Ruders von Osmose angegriffen war. Also auch noch den Rest abgeschruppt.

 

 

 

 

Als Holz für die Verlängerung haben wir eine Multiplex Platte in Buche 18mm stark 130 cm x 12 cm verwendet und entsprechend keilförmig gehobelt. Die Platte wurde sorgfältig mit Schraubzwingen am Ende des Ruders fixiert und mit E45SP (siehe Materialliste) unter Zugabe von 25mm Glasfasern verspachtelt.

 

 

Schraubzwingen entfernt und die fehlenden Flächen verspachteln. Mit einer Raspel die gröbsten Unebenheiten entfernet. Um eine glatte Fläche zu erhalten habe ich die zu spachtelnde Fläche in die Waagerechte gebracht, das E45SP mit Microballons gefüllt und aufgetragen. Die Masse sieht weiß aus auf den Fotos könnte man meinen es wären Lufteinschlüsse. Es ist mir nicht gelungen mit den Materialien eine Spachtelmasse herzustellen, die auf senkrechten Flächen steht. Mit dem „Fließspachtel“ ging es aber sehr gut und wurde wunderbar glatt.

 

 

 

 

 

 

Dann auf beiden Seiten nach Anleitung Grinde-Club 5 Lagen Glasgewebe aufgebracht. Das Glasgewebe entsprach nicht ganz der Vorgabe der Anleitung Grinde-Club. Das Epoxid Harz hatte die Zulassung vom Germanischen Lloyd. Ob das nötig ist vermag ich nicht zu beurteilen, aber wir mussten auch nicht sparen.

 

 

 

 

 

 

Das Gewebe wurde oben und unter etwas herumgezogen und mit Paketklebeband fixiert. Es muss nur vor dem Ende der Aushärtzeit abgenommen werden, sonst muss es weggeraspelt werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Ruderprofil war zu dem Zeitpunkt aus meiner Sicht zu hohl. Deshalb ist noch mal mit dem Fließspachtel (Harz gefüllt mit Microballons) gearbeitet worden.

 

 

 

 

Der Anschluss zu dem Nirobolzen unten wurde leicht ausgefräst und mit E45SP, gefüllt mit 3mm Glasfasern, ausgespachtelt und eine Gewebelage darüber laminiert. Etwas problematisch war es, eine Gewebelage ganz um das Ruder herum aufzubringen. Es ging in 2 Schritten. Erst die eine Seite aber Vorsicht, dass das nicht anliegende Gewebe auf der Rundung nicht getränkt wird. Dann umdrehen und den Rest machen.

 

 

 

 

Für die Endbehandlung waren 4 Schichten E45SP vorgesehen. Jeweils eingefärbt in Schwarz und Weiß mit einem Zwischenschliff. Nach der 2ten Schicht war ich mit der Oberfläche in keiner weise zufrieden. Ich habe dann mit 300gr Epoxidspachtel aus dem Spezialhandel die gesamte Ruderfläche abgespachtelt, geschliffen und mit einer Schicht E45SP, eingefärbt in schwarz und mit einem Thixotropiermittel versehen, gestrichen. Leider war das Thixotropiermittel leicht krümelig, sodass anschließend noch mit 180ger Schleifpapier nachgearbeitet werden musste.

Antifouling drüber und eingebaut.

Wir haben in einem Kellerraum gearbeitet, der während der ganzen Zeit eine Temperatur von 25 +/- 1 Grad Celsius hatte. Pro Tag haben wir 3 Arbeitsgänge gemacht: 6 Uhr, 12 Uhr und 18 Uhr. Bei Harz und Härter wurden das Volumen gemessen. Kein Ansatz von Harz war größer als 300 ml. Fast immer wurden waagrechte Flächen laminiert, dann bleibt das Harz auch dort wo man es haben will.

Die Ruderfläche ist jetzt um 13cm länger geworden. Sollte es sich erweisen, dass das zuviel ist, schneiden wir einfach etwas ab. Leider ist das Profil immer noch hohl. Ich hoffe, dass das nicht zu Vibrationserscheinungen führt. Bei den Geschwindigkeiten, die die Grinde erreicht, ist das aber unwahrscheinlich.

Sollte ich noch eine Ruderverlängerung durchführen, würde ich anders vorgehen:

Holz fixieren, anspachteln; 3 Lagen Gewebe drüber; einen geschlossenzelligen PU Schaum (als Brunnenschaum im Handel) aufbringen; in Form bringen und dann die restlichen 2 oder 3 Lagen Gewebe drüber, abspachteln und Endbehandeln.

3. Materialliste
Anzahl Preis Bezugsquelle nicht gebraucht
2 Stück Schruppscheibe 40ger 10,80 € Handel
1 Stück Buche Multiplex 18mm 130x12cm (Zuschnitt) 3,40 € Hornbach
8,4 qm Glas Biaxial-Gelege mit einem Flächengewicht von ca. 1040g/m²  17,70 € ebay: hp-textiles ca 1,5 qm
2 Gebinde 3kg Epoxidharz mit Zulassung Germ. Lloyd 71,50 € www.klebstoff-profi.de ca 200ml
2 Gebinde Epoxi-Spachtel Basissystem 800g (E45SP) 26,90 € dito
2 Gebinde Microballoons 1L 9,90 € dito 1 Gebinde
1 Gebinde Glasfasern 25 mm 500 mL 5,65 € dito ca 0,25 Gebinde
1 Gebinde Kurzglasfasern 3mm 200 mL 3,95 € dito ca 0,9 Gebinde
1 Gebinde Thixotropierpulver TH23 200g / weiß 4,30 € dito ca 0,75 Gebinde
2 Beutel Farbstoffe deckend 20g Beutel (weiß+schwarz) 3,90 € dito
1 Stück Scheibenroller 8,90 € dito
2 Stück Messbecher 250ml 5,80 € dito
1 Stück Messbecher 100ml 1,60 € dito
15 Stück Ersatzrollenbezüge Fell 10,00 € Handel
  Staubmasken hat man
  Schleifbänder 60ger, 80ger hat man
  Sandpapier 180ger hat man
  breites Paketklabeband hat man
 
  Summe 173,50 €
 
  Werkzeug für Ruderverlängerung
 
1 Stück Winkelschleifer
2 Stück Werkbank
1 Stück Handhobel (elektrisch)
5 Stück solide Schraubzwingen
1 Satz Japanspachtel
1 Stück Fellroller klein
1 Stück Streichwanne
1 Stück Dremel Werkzeug (zum fräsen)
1 Stück Säge zum Abschneiden des überstehenden Laminats und Holzes

Klaus Burchert,  April 2005