Halbmodell der Grinde im Selbstbau

Ein Halbmodell der eigenen Yacht  im heimatlichen Wohnzimmer schmückt dieses nicht nur, es hilft  auch über graue Wintermonate hinweg.
Der einfachste Weg zu einem Halbmodell der Grinde führt über den Erwerb beim  Konstrukteur Peter Bruun.
Fix und fertig für 1800 Dänenkronen, also ca. 230 Euro. Ein bestellter Plan für das Halbmodell wurde mir nicht zugesandt - auf die dritte Nachfrage hin wurde mir jedoch mitgeteilt, dass dieser nicht mehr lieferbar wäre .
Da mir das bekannte Halbmodell (Bilder siehe Webseite) durch das Fehlen von Deck und Aufbau sowieso nicht so gut gefällt und außerdem zu teuer ist,  bleibt als Alternative nur ein Eigenbau.
Als Grundlage diente mir eine alte Ausbauanleitung einer Kasko-Grinde.  Als Maßstab wählte ich 1:15, das ergibt wohnzimmertaugliche 55cm Gesamtlänge.
Die erforderlichen Vergrößungsfaktoren der zu kleinen Abbildungen (DIN-A3 und -A4 Format) ließen sich leicht ausrechnen. Die eigentliche Arbeit hat dann ein DIN-A2 Fotokopierer mit variabler Vergrößerung vollbracht. Nun lagen mir Drauf- und Seitenansicht sowie die Form einiger Schotten vor. Das ist zwar alles andere als ein kompletter Riss, muss jedoch in diesem Fall genügen. Als große Hilfe erwiesen sich die Vielzahl vorhandener  Fotos der Grinde aus allen Blickwinkeln.

Der Bau:
Die Umrisse der Seitenansicht mit Blaupapier auf das 4mm Sperrholz pausen und mit der Laubsäge aussägen. Drei Löcher für die Befestigungsschrauben bohren , diese durchstecken und festkleben. Löcher entsprechend durch die Bauunterlage  bohren und von hinten ansenken. Mit Muttern den Umriss festschrauben, eventuell Folie drunter, damit man das Modell trotz übergelaufenen Klebers auch wieder von der Unterlage ohne Schaden losbekommt. Die 7 Schotten/Spanten halb (minus 4mm Materialstärke) auf das 6mm Sperrholz pausen und aussägen. Die Draufsicht/Decksplatte halb auf das 20mm starke Balsaholzbrettchen pausen und ebenfalls aussägen. Spanten auf Position rechtwinklig ordentlich festkleben (Epoxid) . Die Decksplatte so in Teile zersägen, dass sie zwischen die Spanten passt. Nun steht schon das Grundgerüst. Man könnte auf den Gedanken kommen, einfach mit dünnem Balsa zu beplanken, aber das ginge nur bei exaktem Arbeiten mit genauem Riss. Erfahrungsgemäß ist hier ein mehr oder weniger massiver Aufbau mit ordentlich Schleifreserve besser. Nun die noch verbleibenden Lücken mit Balsa auffüllen, hierbei schon grob die Form sägen oder schnitzen. Ruderblatt und Kiel nicht vergessen. Nicht zu genau arbeiten - kostet nur unnötig Zeit - die Spachtelmasse richtet es in Sekunden. Das Halbmodell nimmt schon ordentlich Form an. Soviel es geht schnitzen, dann grob schleifen, pinselnd grundieren und spachteln. Von nun an immer wieder spachteln und schleifen. Das fleckige Gebilde sieht schon gut aus, aber dann folgt nach Auftrag der ersten Lage Sprühgrundierung die Ernüchterung - Dellen und Beulen. Nun heißt es nicht aufgeben und weitermachen: spachteln, schleifen und sprühen. Aber irgendwann ist es soweit : die  Endlackierung ist dran.
Dann nur noch das Halbmodell auf die Holzplatte schrauben und an die Wand hängen.

Materialliste:
Spanplatte beschichtet, 19mm stark,35x80cm als Bauunterlage
Holzplatte nach Belieben als Grundplatte für Wandmontage (z.B. Kiefer massiv,18mm, 32x70cm)
Sperrholz guter Qualität  4mm stark ,30x60cm
Sperrholz einfacher Qualität 6mm stark 30x80cm
Balsaholzbrettchen 20mm 10x100cm
Balsaholzbrettchen 10mm 10x100cm
Balsaholzbrettchen 2oder 3mm 10x100cm
Epoxidkleber
Holzleim
3 Gewindeschrauben M4x20mm mit Muttern
Spachtelmasse, 2-Komponenten, 500g
Holz-Pinselgrundierung, schnelltrocknend
Sprühgrundierung
Sprühlack
Blaupapier

Werkzeugliste:
Cuttermesser und viele Klingen
Laubsäge mit Reserveblättern
Japanspachtel
Stecknadeln
Schleifklotz und -papier, 80-320er Körnung

Kosten:
ca. 50 Euro

Zeitaufwand:
30 Stunden, plus/minus 10 Stunden, je nach Anspruch ,Talent und Modellbauerfahrung
 

Jan Sticklus