Welchen Propeller sollte man nehmen?

Unsere Grinde D-143 Hyrrokkin war mit einem dreiflügeligem Festpropeller aus Bronze ausgestattet. Der Motor ist ein Yanmar mit 18 PS und einem Getriebe mit 1:2,2 Übersetzung.

Der alte Propeller war ausgezeichnet dazu geeignet vorwärts zu fahren, aber wenn man versuchte damit rückwärts zu fahren, war man aufgeschmissen. Durch den Gebrauch des Rückwärtsgangs konnte man das Boot einigermaßen zum Stehen bringen, aber absolut nicht zur Rückwärtsfahrt bewegen. Das Heck brach lediglich nach Backbord aus. Gleichzeitig hatte ich den Eindruck, dass der alte Propeller einen zu großen Wasserwiderstand bot. Auf jeden Fall war das Ruder beim Segeln, wegen der turbulenten Wasserströmung an der Schraube, sehr unruhig.

Ich habe mit einigen Grindeseglern gesprochen, die einen zweiflügeligen Faltpropeller eingebaut hatten und deren Aufstopp- und Rückwärtsfahrteigenschaften scheinen mir auch nicht der Ideallösung zu entsprechen. Einige klagten über zu wenig Vortrieb unter Motor. Es musste also besser ein dreiflügeliger Faltpropeller sein oder gab es noch eine Alternative?

Nach einem Abend intensiver Suche im Internet fand ich Propeller des Typs "Full Furling Propellers" (Verstellpropeller) Es sind einige Produkte auf dem Markt, aber nur einer in Edelstahl. Das Prinzip dieser Propeller ist, dass die Propellerblätter sich automatisch danach ausrichten, ob man vorwärts oder rückwärts unter Motor fährt. Auf diese Weise hat man immer die optimale Flügelstellung im Verhältnis zur jeweiligen Laufrichtung der Maschine. Beim Segeln drehen sich die Propellerblätter parallel zur Wasserströmung und bieten damit den kleinst möglichen Widerstand. Die Firma Seahawk in Australien produziert den rostfreien dreiblättrigen Autostream Drehflügelpropeller. Auf deren Homepage www.seahawk.au ist ein sehr gründlicher Vergleich von Drehflügelpropellern mit anderen Propellertypen. Nachdem ich diese Informationen eingeholt hatte, war ich davon überzeugt, dass die technische Qualität richtig gut ist. Der Autostream hat sehr kräftige Lager aus Delrin, die leicht ausgewechselt werden können. Das Innere ist mit Fett für den Einsatz auf See gefüllt. Damit funktioniert die Umschaltung während der ganzen Segelsaison perfekt. Es war kein Problem den Propeller direkt aus Australien zu beziehen, denn meine Kontaktperson bei Seahawk, Mr. Ben Hawke, war sehr kompetent. Er gab sehr genaue Anweisungen, welche Maße genommen werden sollten. Als der Propeller geliefert wurde, passte er ganz perfekt. Wir hatten das Wellengewinde verkehrt ausgemessen, so musste uns eine andere Mutter zugesandt werden. Das dauerte nur fünf Tage!

    

Meine Erfahrungen mit dem Autostream sind noch begrenzt. Aber folgende markante Vorteile zeigten sich sofort:

1. Bei wenig Welle fuhren wir unter Motor 0.3 Knoten schneller. Wenn ich eine Saison gesegelt habe, kann ich die Steigung des Propellers nachjustieren. Der Propeller war schon vom Werk auf die Werte des Bootes eingestellt worden.

2. Besser Eigenschaften beim Aufstoppen des Bootes.

3. Hurra, er kann auch rückwärts fahren! Wir können im Hafen nun auch in schmalere Boxengassen hineinfahren, um nach einem Platz zu suchen. Finden wir keinen Platz, können wir leicht rückwärts wieder hinaus fahren. Das ist in Verbindung mit den schlechten Dreheigenschaften der Grinde (Skeg) eine sehr große Verbesserung.

4. Wenn wir unter Segeln fahren, hört der Propeller nach ca. 30 Sekunden auf zu drehen (die Blätter haben sich jetzt parallel gestellt). Das vorher so wohlbekannte Vibrieren ist fort.

5. Unter Motor ist es nicht lauter als vorher.

6. Wir waren noch nicht auf einer Regatta, so weiß ich noch nicht, ob der geringere Wasserwiderstand sich auf die Geschwindigkeit beim Segeln auswirkt.

Sollte jemand Lust bekommen haben, seinen Propeller auszutauschen und überlegt, einen Autostream-Propeller zu nehmen, werde ich gerne mit weiteren Auskünften und eventuell mit einer Probefahrt behilflich sein.

Carsten Moss Jensen