Gran Canaria - La Gomera

Wir waren abends von Fuerteventura aufgebrochen und machten eine Nachttour nach Arguineguin auf Gran Canaria. Wir hatten fast die ganze Zeit guten Wind und die Grinde segelte um die 7- 8 Knoten, so ging es schnell voran, fast ein wenig zu schnell. In der Ankerbucht von Arguineguin liegt ein havariertes Schiff, das letztes Jahr im Sturm gestrandet ist. Ein trauriger Anblick, so ein großes Schiff dort liegen zu sehen. Als erstes beeilten wir uns natürlich, unsere Post abzuholen, die schon da lag und auf uns wartete. Oh wie schön, es gibt doch nichts besseres als Post von zu Hause! Aber die Freude in dieser schönen Ankerbucht währte nicht lange; am Abend kam ein Zollboot direkt auf uns zu und die Zöllner wollten unsere Papiere sehen. Sie wirkten sehr kühl und einer von ihnen fragte, ob sie unser Boot durchsuchen könnten. Sie glaubten, wir hätten Pistolen oder illegale Einwanderer an Bord. So wurde alles durchsucht, selbst Mehl und Haferflocken, aber nach einer halben Stunde gaben sie auf und fuhren davon. Das Merkwürdige war, dass viele Boote um uns herum ankerten, aber wir waren die Einzigen, bei denen sie hereinschauten. Am nächsten Morgen war es schon wieder verrückt. Kurz nachdem wir aufgewacht waren, kam die Guardia Civil mit ihrem Boot an und verlangte, dass alle Boote bis zum Abend die Ankerbucht verlassen haben sollten. Es sei ein offizielles Schriftstück von der Marine gekommen (auf spanisch), worin stand, dass das Ankern in der Bucht wegen Strandungsgefahr verboten sei. Aber es waren Boote hier, die lagen schon seit Monaten vor Anker und bei dem Boot, das gestrandet war, so erfuhren wir später, war die Ankerkette total durchgerostet und gerissen, als die Besatzung an Land war. Wir fanden das Ganze unglaublich ärgerlich, aber es blieb uns nichts anderes übrig als die Bucht zu verlassen, wenn wir kein Strafgeld zahlen wollten.

Wir segelten zum nächstgelegenen Hafen Pasito Blanco. Hier lagen wir neben einem alten Deutschen, der hier schon seit neun Jahren auf seinem Schiff wohnt; ein sehr freundlicher alter Herr. Das Gelände hier ist eingezäunt, so dass nur die Ganzjahreslieger und Gastsegler hier Zutritt haben. Es ist ein guter Ort, um sein Boot liegen zu lassen, während man auf Heimatbesuch ist, wie viele hier es machen. Wir nahmen den Bus in die Hauptstadt Las Palmas, aber es war ein bisschen enttäuschend, wir sind nicht so für die großen Städte zu haben. Hier im Hafen liegen viele Langfahrtsegler, besonders viele ARC-Segler, die gemeinsam am 23. November über den Atlantik segeln wollen. Eigentlich wollten wir uns hier ein Auto ausleihen, aber wir konnten am Wochenende hier einfach keins bekommen und haben den Versuch deshalb aufgegeben. So mussten wir die Insel auf andere Weise erforschen. Leider konnten wir nicht alles sehen, es wäre einfach zu stressig geworden.

Am Montag, den 20. Oktober, brachen wir zeitig am Morgen nach Teneriffa auf. Bernhard, der Deutsche, stand extra auf, um uns morgens um 4:30 Uhr zu verabschieden. Unterwegs sahen wir richtig viele fliegende Fische, es macht wirklich Spaß, ihnen zuzusehen. Einige von ihnen flogen mindestens 100 Meter über das Wasser, als ein Raubfisch hinter ihnen her war. Um 19:00 Uhr kamen wir in Santa Cruz auf Teneriffa an. Leider war es nicht möglich zu ankern. So gingen wir in den Hafen, wo wir zur Mole vertrieben wurden, denn die Spanier haben viele witzige Prinzipien. Wenn man außerhalb der Öffnungszeiten kommt, darf man sich nicht einfach so auf einen freien Liegeplatz legen, sondern muss bis zum nächsten Morgen warten, dabei gab es hier viele freie Plätze. Es ist sehr teuer im Hafen zu liegen, fast 18 Euro für Boote bis 12 Meter Länge. Die Sanitäranlagen sind unglaublich schlecht und wir müssen uns wirklich zusammenreißen, hier auf die Toilette oder Duschen zu gehen. Die Duschräume sind voll von Kakerlaken, so dass man erst mal seine Kleidung ausschütteln muss, wenn man wieder rauskommt, pfui!

Santa Cruz ist eine sehr gemütliche Stadt und wurde von uns in den ersten Tagen gründlich "untersucht". An der Busstation kauften wir eine Busfahrkarte mit der wir zum halben Preis überall herumfahren konnten. Der erste Ausflug ging nach Taganana im Anagagebirge, im Norden Teneriffas, hier war es unheimlich hübsch. Der Weg dorthin bestand aus vielen Haarnadelkurven und wir genossen es in vollen Zügen. Als es herunter ging in das Tal, in dem Taganana liegt, bekreuzigten sich viele der Einheimischen. Wir wussten nicht so genau warum sie das taten und sahen dem Busfahrer eine Weile genau auf die Finger. Er meisterte die Abfahrt unserer Meinung nach aber gut und so entspannten wir uns wieder und genossen die Fahrt. Die Einheimischen erzählten, dass Taganana vor ganz langer Zeit ein kleines Fischerdorf war, in dem sich Seeräuber aufhielten, denn es war kaum anders zu erreichen als mit dem Schiff. Wir wollten von hier aus eine Bergwanderung machen, so mussten wir sehen, dass wir loskamen. Wir gingen fast zwei Kilometer, bevor wir den Wanderweg fanden, denn die Wanderwege sind sehr schlecht ausgeschildert. Nach eineinhalb Stunden Wanderung steil bergauf hatten wir an einer Kreuzung die Wahl zwischen drei möglichen Wegen. Welchen sollten wir nehmen? Selbstverständlich nahmen wir den falschen Weg und mussten dann letztendlich die gleiche Strecke wieder zurück gehen, die wir gekommen waren. Sonst hätten wir unseren Bus um 18:00 Uhr verpasst. Aber egal, wir hatten eine schöne Tour und wir haben unsere Muskeln bewegt. Wir waren also ordentlich müde, als wir zum Schiff zurück kamen. Am nächsten Tag war mit uns nicht viel los, die Beine waren wie Bleiklumpen. So begnügten wir uns damit, auf einen großen Flohmarkt - mit über 300 Ständen - zu gehen. So hatten wir doch einiges anzugucken.

Der Hafen ist voll mit Leuten, die darauf warten, ihre Atlantiküberquerung zu starten. Es bringt Spaß da zuzugucken, denn einer ist klüger als der andere. Die Leute schleppen ganze Bananenstauden hier herunter und kaufen wie wild Ausrüstungsgegenstände ein. Sie stacheln einander gegenseitig an mit: " das musst du aber unbedingt noch haben" oder "ohne das kannst du nicht segeln". So ist es an uns einen kühlen Kopf zu behalten und nicht in Panik zu geraten von all diesem Gerede.

Heute waren wir oben und sahen den Teide, Spaniens höchsten Berg. Wir mussten zeitig aus der Koje, denn es fuhr morgens ein Bus nach oben und nachmittags nur einer wieder runter. Es ist ein ganz ungewohntes Gefühl um 6:00 Uhr morgens aufzustehen. Die Fahrt dort hoch war wunderschön und dauerte ungefähr zwei Stunden. Ich fror fürchterlich, nicht weil wir in höhere Luftschichten kamen, sondern weil die Klimaanlage im Bus ständig kalte Luft hereinblies. Um auf den Gipfel zu kommen, muss man mit einer Seilbahn fahren und die letzten 300 Meter zu Fuß gehen. Aber für diesen Zweck muss man eine Genehmigung haben, da nur eine bestimmte Anzahl von Personen am Tag dort hoch gelassen wird. Wir hatten Pech, denn die Seilbahn war geschlossen, weil es zu stark wehte. Das passiert wohl sehr oft. So gingen wir mit all den anderen zu einem Besucherzentrum, wo es Wanderwege und eine schöne Aussicht gab. Der Teide ist 3718 Meter hoch und der drittgrößte Vulkan der Welt. Wir erlebten hier oben eine außergewöhnliche Naturvielfalt. Eine Lavawüste mit vielen merkwürdigen Steinformationen und enormen Klippen an denen der Zahn der Zeit genagt hatte und sie in den skurrilsten Formen und Farben erscheinen ließ. Ich konnte gar nicht aufhören Fotos davon zu machen. Wir folgten einer Wanderroute, die etwa zweieinhalb Stunden dauerte und wir konnten immer noch die Nachwirkungen unserer letzten Wanderung spüren. So waren wir um 19:00 Uhr wieder müde zurück an Bord.

Nun hatten wir genug von Santa Cruz gesehen und beschlossen am südlichen Ende von Teneriffa zu ankern. Es waren drei Beaufort aus der richtigen Richtung angesagt. So würden wir einigermaßen gut voran kommen. Aber, oha, was waren das für Wellen als wir heraus kamen!  Hier im Gebiet der Kanaren gibt es ab und zu heftige Beschleunigungszonen. Da bekommt man ganz plötzlich weit mehr als die angekündigten drei Beaufort. Die Wellen waren drei bis vier Meter hoch und mitten drin surften wir auf den wellen mit unserer kleinen Grinde mit bis zu 10 Knoten Fahrt. Aber wir waren auf solche Zonen vorbereitet und hatten unser Großsegel eingerefft.

Los Christianos ist ein richtiger Touristenort wo den ganzen Tag über das Leben tobt. Am 31. Oktober hatte Adolf Geburtstag und wir wollten Essen gehen. Aber da machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Plötzlich begann es draußen zu stürmen und zu heulen und wir konnten nicht von Bord gehen. So wurde die warme Mahlzeit daheim serviert. Am Tag danach sahen wir eine Bekanntmachung, in der auf die Gefahr einer fünf Meter hohen Flutwelle hier in der Gegend hingewiesen wurde. Aber wir hatten zum Glück nur den Wind zu spüren bekommen. Wir hörten auch, dass ein dänischer Katamaran Schiffbruch vor Marokkos Küste erlitten hatte und ein Mensch dabei ertrunken war, das fanden wir ganz furchtbar. Auf der Mole trafen wir einen jungen Mann von den Kapverdischen Inseln. Er arbeitet hier im Hafen, um Geld für seine Hochzeit im Januar zu verdienen. Er erzählte viel positives von der Insel, von der er kam, aber das konnte unseren Beschluss, die Kapverden auszulassen, nicht mehr umwerfen.

Wir hatten immer noch Geld auf unserer Busfahrkarte und so machten wir einen Ausflug nach Icod de Vinos, einerseits um diesen Teil der Insel zu sehen und andererseits, um den ältesten Drachenbaum zu sehen, von dem gesagt wird, dass er 3000 Jahre alt ist. Der Baum hat keine Jahresringe, aber das Alter kann man herausfinden, indem man alle Zweige zählt. Das ist wohl fast unmöglich. Wir genossen die Busfahrt und den Rundgang durch die Stadt, beides war unglaublich hübsch.

 

 

 

 

 

 

Am 7. November segelten wir nach La Gomera, das nur 19 sm entfernt ist. Das sollte ja eigentlich ein Klacks sein, aber dann kamen wir wieder in so eine Beschleunigungszone mit viel Wind. Was für ein Sturm war da draußen! Obwohl wir alle Segel gerefft hatten, segelten wir wie wild. Auf dem Weg sahen wir dort draußen zum zweiten Mal Wale. Es ist ein unglaublich schöner Anblick, wie sie so elegant durchs Wasser gleiten und ihre Luft aus dem Atemlöchern pusten. La Gomera ist eine unwahrscheinlich schöne und fruchtbare Insel uns etwa so groß wie Mors. Sie sieht aus wie ein Berg, der in Scheiben geschnitten wurde. Zwischen den Scheiben sind Zerklüftungen (Barrancos), die sich bis zum Meer herunterziehen. Auch gibt es hier auf der Insel den einzigen Urwald Europas. In San Sebastian trafen wir das dänische Boot "Carpe Diem" mit Bente und Peter, die wir von einem Seglertreffen kannten, ganz liebe Menschen. Sie warteten auf einen Gast (jemanden, der etwas dafür bezahlt mitzusegeln) aus Kopenhagen. Bente und Peter waren schon seit einem halben Jahr hier auf La Gomera, so konnten sie uns einige gute Wanderwege empfehlen. Wir verabredeten, mit ihnen zusammen ein Auto auszuleihen, damit sie uns die Insel zeigen könnten.

              Adolf, Isabella, Peter und Michelle bei der Autotour über die Insel

Es liegen außer uns noch drei andere dänische Boote hier im Hafen und als das erste von ihnen den Hafen verließ, um über den Atlantik zu gehen, waren wir alle da und "tuteten" es aus dem Hafen. Ich bekam eine Gänsehaut, als wir dort standen und es erinnerte mich an den Tag, als wir zu Hause losgefahren waren. Die Zeit geht hier schnell und wir sind dabei das Boot auf Mängel zu überprüfen, alles zu waschen und groß einzukaufen. Die Fahrt über den Atlantik nähert sich in hastigen Schritten. Am 11. November mieteten wir zusammen mit Bente, Peter und ihrem Gast Michelle ein Auto. Michelle erzählte, dass sie auch noch zwei andere dänische Boote zur Auswahl hatte, als sie nach einem Gastplatz suchte, sich dann aber für die Carpe Diem entschieden hatte. Und heute hatte sie erfahren, dass diese beiden Boote nach Marokko gesegelt waren, eins davon war der schon erwähnte havarierte Katamaran, so war sie ein bisschen beklommen in dieser Situation.  Bente und Peter kennen La Gomera wie ihre eigene Westentasche und deswegen fuhr Peter auch den Wagen.

Zuerst fuhren wir ins Hermigua-Tal, das unglaublich schön ist. Es ist angefüllt mit Bananenstauden, deren Früchte exportiert werden. Wir fuhren zu einer "Bananenfabrik", wo die geernteten Bananen geteilt, gewaschen und für den Export verpackt werden. Die Menschen, die dort arbeiteten, durften wir nicht fotografieren, aber von den Bananen durften wir gerne Bilder machen.. Es gab ja niemanden, der sie hätte kennen können. Der Mann dort wollte uns gerne eine Menge erzählen, aber leider konnte niemand von uns spanisch. Wir hielten noch an vielen Stellen, um schöne Naturfotos zu machen. Ja, wir können es einfach nicht lassen. Die Fahrt ging weiter zum Nationalpark, der 10 % von La Gomeras Gesamtfläche einnimmt. Und hier befindet sich auch der Urwald. Es gab eine Menge Wanderwege hier in der Gegend und Bente und Peter kannten eine schöne Stelle, die sie uns gerne zeigen wollten.  So gingen wir los und nach ca. zwei Kilometern in den Wald hinein, standen wir plötzlich vor einem kleinen See in dem abgestorbene Bäume aus dem Wasser ragten. Das Ganze sah sehr abenteuerlich aus. Über diese Stelle wären wir bestimmt nicht gestolpert, wenn wir alleine eine Tour gemacht hätten.  Eigentlich wollten wir uns den Sonnenuntergang von dem höchsten Punkt der Insel aus ansehen, aber die Wolken hingen jetzt dicht über den Bergen und so war es statt 25 - 30 Grad Celsius hier nur noch etwa 13 Grad warm. In unseren kurzen Hosen wären wir fast erfroren.

Deshalb fuhren wir herunter ins Valle Gran Rey, das in einer dieser fruchtbaren Barrancos liegt, und nun war es auch wieder schön warm. Die Leute badeten hier und bald wieder schwitzten wir wieder wie wild, das war doch verwunderlich. Ordentlich geschafft kamen wir wieder zurück zum Boot und verabredeten, zusammen auf der Grinde zu essen, das war ein gemütlicher Abschluss des Tages.

Am Mittwoch und Samstag ist hier im Ort Markt, so wollten wir gleich mal sehen, was der zu bieten hat. Ob wir Feigen finden werden, frische Feigen? Lecker! Die wollen wir im Dezember essen, wenn wir mitten auf dem Atlantik sitzen und daran denken, wie ihr es euch zu Hause mit allen möglichen Dingen gemütlich macht. Wir haben noch eine Dose mit Süßigkeiten aufbewahrt, die sind zwar kräftig miteinander verklebt, aber da ich furchtbar süchtig nach Süßem bin, kann ich sie natürlich nicht weg tun... Die Süßigkeiten werden wir dann zusammen mit den anderen Dingen genießen, die wir für die Fahrt gekauft haben.

Die Grinde ist nun startklar für die Fahrt über den Atlantik, alles ist eingekauft und überprüft. Wir wollen gerne noch nach La Palma segeln, aber nach den Wetteraussichten ist es gerade jetzt unmöglich, selbst wenn wir Lust hätten, die ganze Strecke unter Motor gegen den Wind zu fahren. So überlegen wir, was wir jetzt machen wollen. Wir sind zu einer Ankerbucht herunter gesegelt, wo wir ein paar Tage abwarten wollen. Wenn sich die Wetterlage nicht wesentlich ändert, lassen wir La Palma aus und fahren nach Hierro, so ist es eben beim Segeln...

So, nun dauert es nur noch wenige Tage, bis wir die längste Segeltour unserer Reise antreten. Wir freuen uns, besonders, weil wir wissen, dass es nicht mehr so lange hin ist, bis unsere Tochter uns besuchen kommt, wir vermissen sie gewaltig.

Isabella und Adolf, 16. November 2003