|
Gran Canaria - La Gomera
Wir waren abends von Fuerteventura aufgebrochen und machten eine Nachttour nach Arguineguin auf Gran Canaria. Wir hatten fast die ganze Zeit guten Wind und die Grinde segelte um die 7- 8 Knoten, so ging es schnell voran, fast ein wenig zu schnell. In der Ankerbucht von Arguineguin liegt ein havariertes Schiff, das letztes Jahr im Sturm gestrandet ist. Ein trauriger Anblick, so ein großes Schiff dort liegen zu sehen. Als erstes beeilten wir uns natürlich, unsere Post abzuholen, die schon da lag und auf uns wartete. Oh wie schön, es gibt doch nichts besseres als Post von zu Hause! Aber die Freude in dieser schönen Ankerbucht währte nicht lange; am Abend kam ein Zollboot direkt auf uns zu und die Zöllner wollten unsere Papiere sehen. Sie wirkten sehr kühl und einer von ihnen fragte, ob sie unser Boot durchsuchen könnten. Sie glaubten, wir hätten Pistolen oder illegale Einwanderer an Bord. So wurde alles durchsucht, selbst Mehl und Haferflocken, aber nach einer halben Stunde gaben sie auf und fuhren davon. Das Merkwürdige war, dass viele Boote um uns herum ankerten, aber wir waren die Einzigen, bei denen sie hereinschauten. Am nächsten Morgen war es schon wieder verrückt. Kurz nachdem wir aufgewacht waren, kam die Guardia Civil mit ihrem Boot an und verlangte, dass alle Boote bis zum Abend die Ankerbucht verlassen haben sollten. Es sei ein offizielles Schriftstück von der Marine gekommen (auf spanisch), worin stand, dass das Ankern in der Bucht wegen Strandungsgefahr verboten sei. Aber es waren Boote hier, die lagen schon seit Monaten vor Anker und bei dem Boot, das gestrandet war, so erfuhren wir später, war die Ankerkette total durchgerostet und gerissen, als die Besatzung an Land war. Wir fanden das Ganze unglaublich ärgerlich, aber es blieb uns nichts anderes übrig als die Bucht zu verlassen, wenn wir kein Strafgeld zahlen wollten.
Am Montag, den 20. Oktober, brachen wir zeitig am Morgen nach Teneriffa auf. Bernhard, der Deutsche, stand extra auf, um uns morgens um 4:30 Uhr zu verabschieden. Unterwegs sahen wir richtig viele fliegende Fische, es macht wirklich Spaß, ihnen zuzusehen. Einige von ihnen flogen mindestens 100 Meter über das Wasser, als ein Raubfisch hinter ihnen her war. Um 19:00 Uhr kamen wir in Santa Cruz auf Teneriffa an. Leider war es nicht möglich zu ankern. So gingen wir in den Hafen, wo wir zur Mole vertrieben wurden, denn die Spanier haben viele witzige Prinzipien. Wenn man außerhalb der Öffnungszeiten kommt, darf man sich nicht einfach so auf einen freien Liegeplatz legen, sondern muss bis zum nächsten Morgen warten, dabei gab es hier viele freie Plätze. Es ist sehr teuer im Hafen zu liegen, fast 18 Euro für Boote bis 12 Meter Länge. Die Sanitäranlagen sind unglaublich schlecht und wir müssen uns wirklich zusammenreißen, hier auf die Toilette oder Duschen zu gehen. Die Duschräume sind voll von Kakerlaken, so dass man erst mal seine Kleidung ausschütteln muss, wenn man wieder rauskommt, pfui!
Santa Cruz ist eine sehr
gemütliche Stadt und wurde von uns in den ersten Tagen gründlich
"untersucht". An der Busstation kauften wir eine Busfahrkarte mit der
wir zum halben Preis überall herumfahren konnten. Der erste Ausflug Der Hafen ist voll mit Leuten, die darauf warten, ihre Atlantiküberquerung zu starten. Es bringt Spaß da zuzugucken, denn einer ist klüger als der andere. Die Leute schleppen ganze Bananenstauden hier herunter und kaufen wie wild Ausrüstungsgegenstände ein. Sie stacheln einander gegenseitig an mit: " das musst du aber unbedingt noch haben" oder "ohne das kannst du nicht segeln". So ist es an uns einen kühlen Kopf zu behalten und nicht in Panik zu geraten von all diesem Gerede.
Nun hatten wir genug von Santa Cruz gesehen und beschlossen am südlichen Ende von Teneriffa zu ankern. Es waren drei Beaufort aus der richtigen Richtung angesagt. So würden wir einigermaßen gut voran kommen. Aber, oha, was waren das für Wellen als wir heraus kamen! Hier im Gebiet der Kanaren gibt es ab und zu heftige Beschleunigungszonen. Da bekommt man ganz plötzlich weit mehr als die angekündigten drei Beaufort. Die Wellen waren drei bis vier Meter hoch und mitten drin surften wir auf den wellen mit unserer kleinen Grinde mit bis zu 10 Knoten Fahrt. Aber wir waren auf solche Zonen vorbereitet und hatten unser Großsegel eingerefft.
Los Christianos ist ein richtiger Touristenort wo den ganzen Tag über das Leben tobt. Am 31. Oktober hatte Adolf Geburtstag und wir wollten Essen gehen. Aber da machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Plötzlich begann es draußen zu stürmen und zu heulen und wir konnten nicht von Bord gehen. So wurde die warme Mahlzeit daheim serviert. Am Tag danach sahen wir eine Bekanntmachung, in der auf die Gefahr einer fünf Meter hohen Flutwelle hier in der Gegend hingewiesen wurde. Aber wir hatten zum Glück nur den Wind zu spüren bekommen. Wir hörten auch, dass ein dänischer Katamaran Schiffbruch vor Marokkos Küste erlitten hatte und ein Mensch dabei ertrunken war, das fanden wir ganz furchtbar. Auf der Mole trafen wir einen jungen Mann von den Kapverdischen Inseln. Er arbeitet hier im Hafen, um Geld für seine Hochzeit im Januar zu verdienen. Er erzählte viel positives von der Insel, von der er kam, aber das konnte unseren Beschluss, die Kapverden auszulassen, nicht mehr umwerfen.
Am 7. November segelten wir nach La Gomera, das nur 19 sm entfernt ist. Das sollte ja eigentlich ein Klacks sein, aber dann kamen wir wieder in so eine Beschleunigungszone mit viel Wind. Was für ein Sturm war da draußen! Obwohl wir alle Segel gerefft hatten, segelten wir wie wild. Auf dem Weg sahen wir dort draußen zum zweiten Mal Wale. Es ist ein unglaublich schöner Anblick, wie sie so elegant durchs Wasser gleiten und ihre Luft aus dem Atemlöchern pusten. La Gomera ist eine unwahrscheinlich schöne und fruchtbare Insel uns etwa so groß wie Mors. Sie sieht aus wie ein Berg, der in Scheiben geschnitten wurde. Zwischen den Scheiben sind Zerklüftungen (Barrancos), die sich bis zum Meer herunterziehen. Auch gibt es hier auf der Insel den einzigen Urwald Europas. In San Sebastian trafen wir das dänische Boot "Carpe Diem" mit Bente und Peter, die wir von einem Seglertreffen kannten, ganz liebe Menschen. Sie warteten auf einen Gast (jemanden, der etwas dafür bezahlt mitzusegeln) aus Kopenhagen. Bente und Peter waren schon seit einem halben Jahr hier auf La Gomera, so konnten sie uns einige gute Wanderwege empfehlen. Wir verabredeten, mit ihnen zusammen ein Auto auszuleihen, damit sie uns die Insel zeigen könnten.
Adolf, Isabella, Peter und Michelle bei der Autotour über die Insel Es liegen außer uns noch drei andere dänische Boote hier im Hafen und als das erste von ihnen den Hafen verließ, um über den Atlantik zu gehen, waren wir alle da und "tuteten" es aus dem Hafen. Ich bekam eine Gänsehaut, als wir dort standen und es erinnerte mich an den Tag, als wir zu Hause losgefahren waren. Die Zeit geht hier schnell und wir sind dabei das Boot auf Mängel zu überprüfen, alles zu waschen und groß einzukaufen. Die Fahrt über den Atlantik nähert sich in hastigen Schritten. Am 11. November mieteten wir zusammen mit Bente, Peter und ihrem Gast Michelle ein Auto. Michelle erzählte, dass sie auch noch zwei andere dänische Boote zur Auswahl hatte, als sie nach einem Gastplatz suchte, sich dann aber für die Carpe Diem entschieden hatte. Und heute hatte sie erfahren, dass diese beiden Boote nach Marokko gesegelt waren, eins davon war der schon erwähnte havarierte Katamaran, so war sie ein bisschen beklommen in dieser Situation. Bente und Peter kennen La Gomera wie ihre eigene Westentasche und deswegen fuhr Peter auch den Wagen.
Deshalb fuhren wir herunter ins Valle Gran Rey, das in einer dieser fruchtbaren Barrancos liegt, und nun war es auch wieder schön warm. Die Leute badeten hier und bald wieder schwitzten wir wieder wie wild, das war doch verwunderlich. Ordentlich geschafft kamen wir wieder zurück zum Boot und verabredeten, zusammen auf der Grinde zu essen, das war ein gemütlicher Abschluss des Tages. Am Mittwoch und Samstag ist hier im Ort Markt, so wollten wir gleich mal sehen, was der zu bieten hat. Ob wir Feigen finden werden, frische Feigen? Lecker! Die wollen wir im Dezember essen, wenn wir mitten auf dem Atlantik sitzen und daran denken, wie ihr es euch zu Hause mit allen möglichen Dingen gemütlich macht. Wir haben noch eine Dose mit Süßigkeiten aufbewahrt, die sind zwar kräftig miteinander verklebt, aber da ich furchtbar süchtig nach Süßem bin, kann ich sie natürlich nicht weg tun... Die Süßigkeiten werden wir dann zusammen mit den anderen Dingen genießen, die wir für die Fahrt gekauft haben. Die Grinde ist nun startklar für die Fahrt über den Atlantik, alles ist eingekauft und überprüft. Wir wollen gerne noch nach La Palma segeln, aber nach den Wetteraussichten ist es gerade jetzt unmöglich, selbst wenn wir Lust hätten, die ganze Strecke unter Motor gegen den Wind zu fahren. So überlegen wir, was wir jetzt machen wollen. Wir sind zu einer Ankerbucht herunter gesegelt, wo wir ein paar Tage abwarten wollen. Wenn sich die Wetterlage nicht wesentlich ändert, lassen wir La Palma aus und fahren nach Hierro, so ist es eben beim Segeln... So, nun dauert es nur noch wenige Tage, bis wir die längste Segeltour unserer Reise antreten. Wir freuen uns, besonders, weil wir wissen, dass es nicht mehr so lange hin ist, bis unsere Tochter uns besuchen kommt, wir vermissen sie gewaltig. Isabella und Adolf, 16. November 2003 |