Von Madeira nach Fuerteventura

Nachdem wir unseren letzten Reisebrief abgeschickt hatten und gemütlich zu unserem Boot zurückkehrten, wunderten wir uns. Die Grinde war sehr verschmutzt und die Stäbe unseres Sonnensegels waren weg. Unsere Wäsche hing jedoch immer noch an der Leine. Es lagen nur wenige Boote vor Anker und unser Nachbar, ein Franzose, erzählte uns, dass ein fürchterlicher Sturm gewütet hatte. Wir konnten uns das überhaupt nicht vorstellen, denn wir hatten in der Stadt weder etwas davon gesehen noch gehört. Wir haben ein deutsches Ehepaar kennen gelernt, von denen der Mann tauchen konnte. Sie lagen in der Marina. So ruderte Adolf zu ihm, um mit ihm zu reden. Er erzählte, dass tatsächlich ein heftiger Sturm aufgezogen war bei dem die Windrichtung ständig drehte und dazu kamen unglaublich hohe Wellen. Er hatte das Ganze auf Video aufgenommen, es dauerte etwa 20 Minuten. Alle Leute, die auf den Booten waren retteten sich mit ihrem Schiff in den Hafen. Einer musste sogar seinen Anker und sein Beiboot kappen, um sich in den Hafen retten zu können. Nur unser Boot und drei andere, die auch nicht an Bord gewesen waren, lagen noch draußen und wurden von den Wellen hin und her geworfen. Michael hatte Angst gehabt, dass unser Boot auf dem Strand enden würde. Wir kamen ein wenig ins Schwitzen als er das erzählte, aber wir waren auch froh, dass wir das ganze Drama nicht vom Strand aus angesehen hatten, dabei nicht in der Lage unser Boot zu erreichen. Ein anderer Franzose hatte alle seine Sachen verloren und er hatte sowohl einen Bug- als auch einen Heckanker ausgebracht. Der Heckanker war aber in der Tiefe verschwunden. Michael kam gleich mit seiner Taucherausrüstung zu uns rüber und fand nach einiger Zeit die Stange unseres Sonnensegels und dazu eine meiner Blusen (mit Wäscheklammer dran), die doch von der Leine geweht worden war. Er tauchte auch noch mal runter zu unserem Anker und sagte, dass er sich sehr gut in den Sand eingegraben hätte. Wir hatten wirklich sehr viel Glück gehabt und wissen nun, dass in solchen Fällen ein gutes Ankergeschirr die beste Versicherung ist.

Nach einigen guten Tagen auf Madeira ging es weiter zu der kleinen Insel Graciosa bei Lanzerote. Wir hatten zwar schon ein paar Tage für die Tour eingeplant, aber der Wind spielte überhaupt nicht mit. Inzwischen haben wir den richtigen "Meeresblick" und es gelang uns eine Meeresschildkröte zu filmen, als sie an unserem Boot vorbei tauchte. An einem Morgen war wieder mal Windstille und wir nahmen die Segel runter und und ließen uns treiben, während wir ein Nickerchen machten. Weit und breit war kein Boot zu sehen gewesen. Plötzlich hörte ich ein Motorgeräusch und als ich aufguckte, sah ich ein großes Motorboot, das genau Kurs auf uns hielt. Sie glaubten wohl, dass nichts im Weg sei und so starteten wir schnell unseren Motor und nahmen unseren Kurs wieder auf. Kurze Zeit später änderte auch das Motorboot seinen Kurs und es war ein gutes Gefühl zu wissen, dass sie doch auf kleine Boote achteten. Es war außergewöhnlich warm und windstill und Adolf nahm daher alle vier Kilometer ein Tauchbad. Ich habe gerade das Buch "Cassiopeia" gelesen, das von einer Langsegeltour handelt und der Schluss machte mich ein wenig traurig. Ich vermisse unsere Kinder Brian und Sannie, so wird es mal wieder Zeit, zu Hause anzurufen. Das wollen wir machen, wenn wir auf Lanzerote sind.

Endlich, am dritten Tag, sahen wir Graciosa. Die Insel gleicht einer Mondlandschaft oder einer Wüste. Von der Größe her entspricht sie etwa Anholt und sie hat ca. 600 Bewohner, die sich in einem Ort angesiedelt haben. Sie wohnen alle in rechteckigen weißen Häusern mit Flachdach. Ich finde es gleicht einer mexikanischen Cowboystadt und man erwartet jeden Moment einen Revolvermann, der auf seinem Pferd dahergeritten kommt. Es gibt keine asphaltierten Straßen, nur Sandwege. Ansonsten gibt es hier nur Wüste, ein paar erloschene Vulkane und die schönsten Strände und Ankerbuchten, die man sich nur wünschen kann. Obwohl das Liegen im Hafen im Moment umsonst ist (der Hafenmeister hat Urlaub), entschließen wir uns doch für das Ankern, weil es einfach zu heiß ist und man vom Boot aus herrlich schwimmen und schnorcheln kann.

Ansonsten genießen wir die Ruhe. Wir haben einen traumhaften Ausblick. Auf der einen Seite sehen wir Graciosa und auf der anderen Seite Lanzerotes steile Klippen. Es gibt hier nur wenige Touristen und daher massenhaft Platz für alle. Wir waren gerade bei Tineke und Dick aus Holland zur Geburtstagsfeier eingeladen. Ihr Boot heißt Velvet und sie haben fast die gleiche Tour vor sich wie wir. Wir hoffen, sie noch oft wieder zu treffen. Vor ein paar Tagen, als wir am Strand entlang gingen, hatte ein Touristenboot etwa 30 Leute an Land gelassen, damit sie baden und auf einer Schwimmbanane fahren konnten. Als wir da standen und zuguckten, war noch ein freier Platz auf der Banane und ich bekam eine Rettungsweste und saß auch schon auf der Banane. Das hat viel Spaß gemacht. Nach einigen Tagen in der Ankerbucht frischte der Wind etwas auf, so dass wir nicht mehr ruhig schlafen konnten. So beschlossen wir im Hafen zu liegen. Wir hatten ein paar Probleme mit dem Brenner unseres Kochers und mit den Dichtungen des Motors gehabt und zu Hause Ersatzteile bestellt. So hofften wir, dass Post für uns auf Lanzerote warten würde. Wir hatten einen Mann namens Sergio getroffen, der sehr interessiert an unserem Boot war, weil er selbst gerade ein Holzboot in der gleichen Länge baute, auch ein Spitzgatter. Er gab uns seine Telefonnummer und wir sollten uns bei ihm melden, wenn wir auf Lanzerote angekommen wären. Er wollte uns dann die Insel zeigen. Nach acht schönen Tagen auf Graciosa mussten wir weiter und es war ein wenig Wehmut dabei, als wir Richtung Arrecife auf Lanzerote segelten. Wenn man einen Urlaub machen möchte mit Baden, Entspannen, und kleinen Wanderungen, ist Graciosa ein Paradies. Hier geschieht alles in einem ruhigen, beschaulichen Tempo. Die Stimmung an der Hafenmole ist ausnehmend gemütlich und es ist nicht überfüllt mit Touristen. Wenn man eine Tour nach Lanzerote machen will, geht ein mal am Tag ein Schiff.

Auf dem Weg nach Arrecife fing ich eine einen halben Meter lange Goldmakrele, aber das an Bord holen musste Adolf übernehmen, so wild gebärdete sie sich. Es ist eine ausgesprochene Schweinerei so einen Fisch an Bord zu holen und ich will es mir gar nicht erst vorstellen wie es ist, wenn wir einen doppelt so großen Fisch am Haken haben. Wir sprachen später mit anderen Seglern darüber und sie gaben uns den Tipp, Alkohol in die Kiemen zu gießen, damit sie betäubt werden und man nicht die Schweinerei an Deck hat. Aber, ob Adolf dafür seinen geleibten Whisky opfern wird ???

In Arrecife liegen wir gut geschützt vor allen Winden im Hafen, aber Baden wollen wir hier drinnen nicht. Es gibt jedoch einen schönen Badestrand nicht weit von hier. Wir sind nun schon so weit von zu Hause weg, dass uns das Leitungswasser nicht mehr schmeckt; sie chloren hier das Trinkwasser. Von einem anderen Segler bekamen wir den guten Rat, das Wasser in einen Topf zu füllen und über Nacht stehen zu lassen, dann würde der schlechte Geschmack weg sein, und es hat funktioniert. Wir bekommen nun endlich keine Magenprobleme mehr, wenn wir dieses Wasser trinken und es würde auch nichts bringen, uns Trinkwasser zu kaufen, denn wenn wir erst über den Atlantik gehen, müssen wir uns ja doch an das lauwarme gechlorte Wasser gewöhnen.

Heute haben wir mit Sannie und Brian telefoniert und es war schön, ihre Stimmen mal wieder zu hören. Wir schicken uns ja auch Emails und SMS, aber trotzdem ist es noch etwas anderes miteinander zu sprechen. Es ist wohl das Schwerste an dieser Reise, das wir ohne die sind, die wir am allerliebsten haben...

Lanzerote ist eine unfruchtbare Insel, aber sie hat besonders schöne Strände und eine phantastische vulkanische Landschaft zu bieten. Die Insel ist etwas größer als Bornholm und hat etwa 80000 Bewohner, von denen die Hälfte in Arrecife lebt. wir trafen uns mit Sergio, den wir schon auf Graciosa getroffen hatten, und er fuhr mit uns umher, um uns die Vulkane zu zeigen. Unterwegs holten wir seine Frau Christine ab. Sie erzählte, dass der letzte Vulkanausbruch 1824 war und nur einem älteren Mann das Leben gekostet hat, weil er sich geweigert hatte, sein Haus zu verlassen. Die Lava, die aus den Vulkanen (es gibt hier ungefähr 300 Stück) kommt ist sehr dickflüssig, dadurch können die Menschen es leicht schaffen zu Fuß davor zu fliehen. In anderen Ländern mit Vulkanen, wo die Lava flüssiger ist, ist ein Ausbruch viel gefährlicher. Überall hier liegt versteinerte Lava herum und es werden Wege hinein gebaut, das ist ein fantastischer Anblick. Wir fuhren weiter zu einem Besucherzentrum in das wir umsonst hinein gelassen wurden, weil Sergio und Christina Beziehungen hatten. Hier konnten wir alles Wichtige über Vulkane sehen, lesen, und hören. Es gab auch eine Grotte, wo ein Vulkanausbruch simuliert wurde. Die Geräusche waren sehr laut und für die Menschen, die den Vulkanausbruch 1824 erlebt haben, muss es schrecklich gewesen sein, denn sie hörten die Geräusche sechs Jahre lang. An einigen Stellen ist der Untergrund immer noch sehr warm. Bei einigen Vulkanen kann man Heu oder Grashalme in den Krater werfen und sie werden entzündet, sobald sie wenige Meter zurück gelegt haben. Nach dem großen Vulkanausbruch war alles kahl, aber die Bauern fanden heraus, dass man in der Asche gut Wein anbauen konnte. Aus diesen Trauben wird der Malvasio-Wein hergestellt. Christine erzählte, dass das Vulkangestein nachts Tau aufsaugt. Das reicht, um die Weinrebe für den ganzen Tag mit Wasser zu versorgen. Die Reben wachsen also nicht direkt in der Asche, sondern in einer Humusschicht unter der Asche. Pflanzen, die in Vertiefungen gepflanzt wurden, mit Lavasteinen um den Stamm herum, kann man auf der ganzen Insel sehen. Der Malvasio-Wein soll sehr stark und süßlich sein und zwei Gläser davon sollen reichen, um einen Schwips zu bekommen. Wir müssen ihn unbedingt probieren. Wir fuhren weiter nach La Santa, wo Sergio und Christina wohnen. Sie sagen La Santa ist halb dänisch wegen "La Santa Sport" (ein Club, in dem überwiegend Dänen Urlaub machen), viele das Angestellten haben sich im Ort einquartiert. Zuerst guckten wir uns das Holzboot an, mit dem sie in ein paar Jahren um die Welt segeln wollen. Das Boot ist acht Meter lang und drei Meter breit und die Arbeiten waren bemerkenswert gut ausgeführt (Sergio ist kein Handwerker). Er rechnet damit, im nächsten Jahr fertig zu werden, aber es hat keine Eile, wie sie sagten. Danach fuhren wir zu ihrem Haus, was sie selbst gebaut hatten. Sie erzählten, dass der Großteil aller Häuser auf Lanzerote weiß ist; mit blauen oder grünen Fenstern und Türen und höchstens zwei Etagen. Zurückzuführen ist das auf den berühmten Künstler Cesar Manrique. Er war dagegen, dass der Tourismus seine Insel umwandelt. Er hat sich für eine Tourismuspolitik eingesetzt, die sowohl den Menschen als auch der Umwelt zugute kommt. Das wird heute noch so praktiziert, besonders auf dem Lande, wo die Natur nicht mit Hochhäusern verschandelt wird.

Christinas und Sergios Haus  war ein Unikat. Es gab keine Türen, nicht einmal zur Toilette. In der Küche gab es auch keine Schranktüren und nur einen Tisch mit vier Stühlen. Mit der Küche verbunden war ein Raum, den wir Wohnzimmer nennen würden. Hie lagen zwei Matratzen auf dem Fußboden und sonst nichts. Kein Fernseher, keine Pflanzen, nichts. Die Wände waren mit selbst gemachten Fotos verkleidet. Im Kinderzimmer lag auch nur eine Matratze für ihren fünfjährigen Sohn Inda, daneben gab es eine Kiste mit Spielsachen. Draußen auf der Terrasse war eine selbst gebaute runde Badewanne, worin Christina ihren Sohn zur Welt gebracht hatte. Ihr Haus war ganz anders als wir es gewohnt sind, aber sie sind zwei unglaublich interessante Menschen. Sergio bereitete zum Mittagessen Omelett und Salat, es schmeckte sehr gut. Sie erzählten, dass ihr Sohn sich von etwas ernährte, das "Gofio" heißt. Es ist ein hellbraunes Proteinpulver, das mit Öl gemischt wird oder man macht einen Brei daraus. Darüber hinaus isst ihr Sohn nur Obst, sonst nichts, und das schon seit vier Jahren. Christine erzählte, dass die Einwohner Lanzerotes in den spanischen Kriegen auch einige Jahre nur von Gofio gelebt haben, als sie keine anderen Lebensmittel bekamen. Sie ist ein ausgeprägter Naturmensch und sie sagte, dass für sie das Essen gerne zwei Stunden dauern könnte. Wir fanden das etwas merkwürdig, aber so sind wir eben, alle verschieden. Christina arbeitet freiberuflich mit Vögeln, die unter Schutz stehen und zu Schaden gekommen sind. Sie holt die Vögel und entscheidet, ob sie wieder frei gelassen werden können, behandelt werden oder aber eingeschläfert werden müssen. Sergio arbeitet als Skipper auf einem Motorboot für den Staat. Wir waren dabei, als Christina einige Vögel abholte. Danach holten wir ihren Sohn Inda aus der internationalen Schule ab. Sie wollen gerne, dass er so viele Sprachen wie möglich lernt, bevor sie auf Weltreise gehen. Er geht auf diese Schule seit er drei Jahre alt ist, täglich von 9:30 Uhr bis 15:00 Uhr. Das ist eine ganz schön lange Zeit für so einen Kleinen. Unterrichtssprache ist englisch, nur die obligatorischen Spanischstunden sind natürlich auf spanisch. Um 18:00 Uhr setzten sie uns wieder am Hafen ab und angefüllt mit neuen Eindrücken waren wir dann ganz schön müde.

Wartezeit, Wartezeit, das spanische Postwesen ist langsamer als erlaubt und zeichnet sich auch nicht durch Hilfsbereitschaft aus. So mussten wir einen Gang zum Touristenbüro machen, um zu erreichen, dass nach unserem Paket gesucht wurde. Dort bekamen wir die Auskunft, an welchem Tag es ankommen würde und das war ja auch schon ganz schön zu wissen. Das hätten sie uns auf dem Postamt ja auch sagen können, aber dort hatten wir immer nur die Amtwort "Manjanah" (morgen) bekommen. An unserem Ankerplatz in Arrecife war ein reger Wechsel der Boote, und nicht alle waren besonders gut im Ankern. Besonders die Franzosen hat man nicht gerne in der Nähe. Sie stecken nicht genug Kette und ankern immer zu dicht. Kürzlich ankerte ein großes französisches Stahlboot nur einen Meter neben uns. Wir baten sie mehr Platz zu lassen, weil es zu eng wäre. Aber die Antwort war nur, wir würden nicht verholen und er würde auch nicht verholen, da hätten wir wohl ein Problem. Glücklicherweise verzog er sich doch im Verlauf des Tages. So jemanden möchten wir nicht gerne wieder treffen.

 

Nachdem wir nun dreizehn Tage gewartet hatten, kam endlich unser Paket und wir brauchten nicht lange um unsere Sachen zu packen und fort zu kommen. Das Wetter war schön und wir segelten herunter zur Papaguya-Bucht an der Südspitze der Insel, um ein wenig zu baden und zu schnorcheln. Ich habe mir die Lippen so fürchterlich verbrannt, dass ich mich damit abfinden muss nur zu Baden und mein Gesicht vor der Sonne zu schützen. das ist ein wenig lästig...

Am Freitag, den 10. Oktober segelten wir nach Fuerteventura in das kleine Fischerdorf Giniginamar. Hier war es richtig beschaulich. Der Fischerort besteht aus zwei Teilen: In dem einen Teil stehen viele große und hübsche Häuser, die nur von deutschen bewohnt werden und im anderen Teil leben die Einheimischen. In einem ganz kleinen Laden fanden wir eine Tüte Gofio, die nahmen wir mit um es zu probieren.... Fuerteventura besteht aus Wüste und Klippen und nur weil sie im Süden der Insel einige gute Strände hat, kommen viele Touristen auf die Insel. Bevor die Spanier kamen war die Insel sehr grün und die Vegetation üppig, aber sie brachten Ziegen, Kaninchen und Eichhörnchen auf die Insel, die dann alles Grüne wegfraßen. Die Bäume, die noch da waren, wurden zum Bau von Schiffen oder Häusern benutzt.

Wir fuhren weiter nach Morro Jable an der Südküste der Insel und hier bekamen wir etwas an den Angelhaken. Ich wurde ganz wild, denn er war so groß, dass ich ihn nicht herausholen konnte. Ich legte Whisky, Messer und Schneidebrett bereit und räumte alles aus dem Cockpit, damit wir genug Platz hatten. Die Videokamera wurde hervor geholt und nun sollte der Fang gefilmt werden, während Adolf damit kämpfte, den Fisch an Bord zu ziehen. Ungefähr auf der halben Strecke biss der dumme Fisch die Angelschnur durch. Wir hatten übrigens Leine, Angelschnur und Haken gekauft, die einen Fisch von 60 kg halten sollten. So muss es ein ordentlicher Oschi gewesen sein, den wir da am Haken gehabt haben. Und es ist auch nicht gelogen...

Im Hafen trafen wir das dänische Schiff Denvi mit Dennis und Vibeke wieder. Wir bekamen von ihnen erst einmal eine dicke Umarmung, so freuten sie sich, uns wieder zu sehen. Sie luden uns zu Abendessen zu ihnen herüber ein und wir erzählten uns, was wir seit unserem letzten Treffen erlebt hatten. Sie haben beschlossen auf den Kanaren zu überwintern, weil ihre Gäste nicht weiter wollen. So ist es wohl das letzte Mal, dass wir zusammen sitzen. Sie sind aber jedes Jahr von April bis Oktober zu Hause in Dänemark, dann werden wir uns wohl dort wieder sehen. Eine Dänin kam mit dem Kajak zu uns heraus gepaddelt, sie lebt hier schon seit 20 Jahren. Sie erzählte, dass 90 % der Touristen auf Fuerteventura Deutsche sind und auf den anderen Kanarischen Inseln sind es andere Nationen, die bestimmte Teile der Inseln dominieren. Sie sagte auch, dass Fuerteventura dabei ist, sich zum Schlechten zu verändern, weil alles nur noch darauf ausgerichtet ist, Touristen anzuwerben und immer mehr Hotels gebaut werden. Wir meinen, dass sie wohl gar keine andere Möglichkeit haben, denn außer der Fischerei gibt es hier nichts, wovon sie sonst leben könnten. Und davon können sie nicht alle leben.

Fuerteventura wird auch von vielen illegalen Einwanderern geplagt, besonders aus Marokko. Ihnen wird hier ein besseres Leben versprochen. Wir sahen auf der Fahrt nach Morro Jable einige grüne Ruderboote an den Klippen liegen, es sind diese Boote, mit denen die Flüchtlinge kommen. Oft sitzen bis zu 30 Personen in diesen kleinen Booten. Die Dänin erzählte auch, dass vor einem Monat auf der Insel ein Notruf von einem dieser Boote aufgefangen wurde. Sie suchten 12 Tage lang und als sie es fanden, waren von 25 Personen nur noch 5 am Leben. Es ist so furchtbar, dass einige Menschen Geld an der Not anderer verdienen. Es gibt Zeiten, in denen bis zu 10 Boote in der Woche ankommen und fast alle werden zurück geschickt. Die Dänin hatte beim Paddeln schon oft Plastiktüten mit Sachen von Flüchtlingen gefunden. Aber deren Schicksal kennen wir nicht...

So, liebe Leute, das war's für dieses Mal. Wir haben gerade im Hafen von Gran Canaria festgemacht, von wo aus wir einige Touren auf der Insel machen wollen. Aber darüber später...

Wir wollen nur noch kurz erzählen, dass wir nicht die Kapverdischen Inseln besuchen werden, sondern den direkten Weg über den Atlantik nehmen wollen. Auf den anderen Inseln gibt es auch noch so viel zu sehen und es wird einfach zu gedrängt, wenn wir noch zu den Kapverden herunter segeln.

Isabella und Adolf,   21 Oktober 2003