Den Helder - Falmouth

 

Wir verbrachten noch einen Tag in Den Helder, wo wir morgens als erstes Besuch von der holländischen Einwanderungsbehörde bekamen. Sie wollten unsere Papiere und die des Bootes sehen. Sie waren dann sehr nett und interessierten sich für unsere Reise. Wir waren im Marinemuseum in der Stadt, wo ein riesiges U-Boot ausgestellt wird, das man auch von innen besichtigen kann. Ich würde Klaustrophobie bekommen, wenn ich dort unten arbeiten müsste. Es war sehr warm und wir glauben, dass die Besatzung nach Gewicht und Größe eingestellt wurde. Es war alles so eng und niedrig, so dass man nicht über 1,70 m und 70 kg haben sollte, sonst könnte man sich dort nicht richtig fortbewegen. Und der arme Koch, er oder sie hatte kaum Platz. Es muss schrecklich gewesen sein unter diesen Bedingungen Essen zuzubereiten. Sie schliefen alle in Kojen in 4 Etagen übereinander und selbst für den Kapitän war kaum mehr Platz. Man erzählte uns, dass die U-Boote, die heute gebaut werden, sehr viel größer sind, aber es sind auch mehr Personen an Bord. Der Rest des Museums bestand aus anderen Kriegsschiffen und Adolf wurde an seine Zeit bei der Marine erinnert. Leider waren alle Erklärungen auf holländisch, das ist nicht besonders touristenfreundlich. Wir kamen aber mit einem Aufseher ins Gespräch und der erzählte ein wenig.

Nachmittags bekamen wir Besuch von einem dänisch/schwedischen Ehepaar. Die sahen aus, als wenn sie ihr Lager mit einer Katze geteilt hätten. Sie hatten in der Karibik 8 bzw. 18 Jahre gelebt und gearbeitet und nun wollten sie zurück nach Schweden. Sie waren schon leicht angetrunken und wir gaben ihnen ein einziges Bier und hofften, dass sie schnell wieder gehen würden. Sie waren einfach zu viel für uns. Sie wollten nur Bier haben und waren überhaupt nicht an uns interessiert. Das einig Gute war, dass sie uns ein Rezept zum Töten von Kakerlaken gaben. Es muss sich noch zeigen, ob es wirkt. Im Museum hatten wir gerade einige große, üble Exemplare gesehen. Igitt !

Am 13. Juli brachen wir sehr zeitig in Den Helder auf. Hier kann man nicht aussuchen, wann man lossegeln will, man muss sich schon nach der Tide richten. Wir segelten die meiste Zeit platt vorm Laken mit Rückenwind und es war ein bisschen mühselig, besonders als ich den ersten Teil der Nachtwache hatte. Wir hatten unseren Kurs nach der Seekarte geplant, um den richtigen Weg durch die Sperrgebiete zu finden. Einige Karten sind nicht mehr ganz neu, so dass ich bei Hoek van Holland eine Lightshow ohne gleichen sah und Adolf weckte. Wir nahmen den Spibaum herunter und in dem Augenblick kam ein Lotsenboot und wir wurden angeschrieen, dass wir uns wegscheren sollten. Das heißt, der Mann schrie und tobte wie ein Irrer. Wir funkten ihn an und fragten, welchen Kurs wir nehmen sollten und segelten danach weiter. Was soll man anderes tun, sonst gibt es noch eine Geldstrafe. Die ganze Nacht durch schaukelte es heftig und wir versuchten abwechselnd ein wenig zu schlafen. Eigentlich wollten wir direkt nach Falmouth segeln, weil der Wind mit uns war, aber kurz bevor wir uns Dover näherten, war auf einmal unser Navigator schwarz. Was war nun los? Wir hatten unsere Batterie aufgeladen und den Computer seit Tagen nicht benutzt. Adolf bekam es hin, dass wir wieder Strom hatten. Wir waren uns aber einig, dass wir einen Hafen anlaufen sollten. Ohne Licht konnten wir in diesem Fahrwasser nicht fahren. Wir funkten Dover Hafen an und baten um Einlass. Das ist deswegen notwendig, weil die Schnellfähren und die Sportboote durch die selbe Hafeneinfahrt ein- und auslaufen müssen. Um 23:00 Uhr kamen wir in den Sportboothafen, der ganz weit hinten drin liegt. Hier sollten wir uns wieder über Funk einen Liegeplatz zuweisen lassen. Wir bekamen einen Platz im Dunkeln und sehr müde machten wir noch einen kurzen Landgang, bevor wir in die Koje fielen.

Am nächsten Morgen gingen wir in ein Geschäft, das angeblich Batterien verkaufen sollte. Der Verkäufer war sehr nett und ehe wir uns versahen, saßen wir in seinem Auto, weil der Laden, der Batterien verkauft, weit weg war und Batterien bekanntlich schwer zu tragen sind. Wir kauften eine neue Batterie und unser Fahrer schleppte sie persönlich zu seinem Auto. Zurück im Yachthafen fragten wir, war er für seine Hilfe bekomme und er sagte, das müssten wir entscheiden. Wir benötigten noch 1 Pfund, um uns einen Handwagen auszuleihen, damit wir die Batterie zum Schiff bringen konnten. Adolf gab ihm 5 Pfund und fragte, ob er wechseln könnte. Er nahm das Geld und sagte, es wäre ganz in Ordnung so und ging seiner Wege. Wir lächelten etwas darüber, aber es war nicht das, was wir gemeint hatten. Wir standen jetzt da und hatten kein Pfundstück für den Wagen. Ein Mann, der vorbei kam, gab uns ein Pfund und sagte, wir könnten es beim Fahrkartenschalter wieder abgeben, wenn wir zurück kommen. Es gibt doch freundliche Menschen, die helfen, wenn man in "Not" ist. Nun funktionierte die Bordelektrik wieder und die alte Batterie wurde zum Teufel gejagt. Wir machten in Dover eine lange Wanderung. Hier ist es wirklich schön. Ihr solltet alle mal ausprobieren, Urlaub in Südengland zu machen.

Mittwoch, den 16. Juli wollten wir weiter fahren, aber für die nächsten Tage war Sturm angesagt. So waren wir uns einig, noch ein bisschen zu bleiben. Wir wollten nicht in schlechtes Wetter kommen, wenn es schon vorher angesagt worden war. Es ist nicht so leicht hier zu segeln, denn man muss immer die Tide beachten und bei Niedrigwasser werden die Schleusen geschlossen. Unsere neue Lampe, die wir gekauft hatten, bevor wir losfuhren, funktionierte nicht mehr. Wir haben sie durchgemessen und fanden heraus, dass die Birne kaputt war. Ich habe mich furchtbar geärgert, dass wir nicht einige Ersatzbirnen mitgenommen hatten. Hier war es nicht einfach welche zu bekommen. Wir gingen ca. 4 km, bevor wir einen Laden fanden, der diesen Typ hatte und kauften dort gleich ein Paar Birnen mehr.

Als wir zum Boot zurück kamen, wurden wir von einem anderen Grindesegler aus Norwegen begrüßt, der fast den gleichen Weg wie wir vor sich hatte. Sie waren später als wir durch den Nord-Ostsee-Kanal gefahren, hatten dann aber einen besseren Wind gehabt und waren schneller hierher gekommen. So ist es halt wenn man segelt, es geht nicht immer alles wie man es erwartet und manchmal muss man warten, bis sich der Sturm legt oder der Wind aus der richtigen Richtung weht. Über längere Zeit gegen den Wind oder die Strömung anzusegeln bringt einfach keinen Spaß. Der Norweger wollte auch in die Biskaya und dann sein Boot dort liegen lassen, bis er im November zurückkommen würde. Er wusste noch nicht genau, ob er in diesem Jahr schon über den Atlantik segelt oder erst im nächsten Jahr.

Man verlernt hier unterwegs weder Englisch noch Deutsch, da wir täglich mit den Leuten hier reden und das ist sehr nett. Da wir nicht lossegeln konnten wollten wir uns Dover Castle angucken, das 3-4 km oberhalb liegt. Es hat sich gelohnt. Das Schloss selbst war Sitz der Könige, wenn sie zu Besuch in Dover waren. Es gab keinen Schatz zu sehen, aber sie hatten Kulissen aufgebaut, wodurch man sehen konnte, wie es wohl damals ausgesehen hat. In einer Filmvorführung bekamen wir mit, welche großen Schlachten hier früher geschlagen wurden. Frankreichs Könige wollten nämlich gerne die englische Krone erobern und versuchten deswegen Dover Castle einzunehmen Das haben sie aber nicht geschafft. Vor einigen hundert Jahren waren unter dem Schloss Tunnel gegraben worden. Auch im zweiten Weltkrieg gruben die Engländer hier neue Tunnel, was aber erst in den neunziger Jahren bekannt wurde. In dem einen Tunnel war das Hauptquartier eingerichtet und in einem zweiten ein Krankenhaus und der unterste Tunnel war für die 10 wichtigsten Personen Englands im Falle eines Atomangriffs. Aber heutzutage wird er nicht mehr gebraucht, denn die Bomben die es jetzt gibt würden direkt durch alles durchschlagen. Es war alles sehr wirklichkeitsgetreu gemacht, z.B. roch es in der Küche nach Gulasch und in der Krankenstation nach Elend und Tod und man hörte Rufe und Schreie und Flugzeuge, die Bomben abwarfen. Die Tunnel waren wie gesagt in drei Etagen und 15 km lang. Es ist einen Besuch wert und abends, wenn das Schloss direkt über Dovers weißen Klippen angestrahlt wird, ist es ein wirklich schöner Anblick. Wir waren sehr erschöpft, als wir wieder zu unserem Boot zurück kamen.

Am Freitagabend nahmen wir Abschied von Dover in Richtung Falmouth und sollten 12 Stunden lang Strom mit uns haben. Es war gutes Wetter voraus gesagt, aber am zweiten Tag (die Fahrt dauert zweieinhalb Tage) änderte sich das Wetter drastisch und wir bekamen Sturm. Ich wurde seekrank und es ging mir die ganze Nacht schlecht. Es war gut einen Kapitän dabei zu haben, der die Sache in Ordnung brachte. Die Wellen waren 4m hoch und es regnete in Strömen. Man kann sich auf die Wettervorhersage nicht verlassen und das Wetter ändert sich blitzschnell. Wir kamen aber trotzdem sicher nach Falmouth, wo wir auf gutes Wetter warten, um über die Biskaya zu gehen. Die Norweger, die mit uns gefahren waren, waren auch sehr müde von dieser Tour, sie haben weder eine Windsteueranlage noch eine Sprayhood. Einer der Norweger lag während der Tour auch seekrank in der Koje, so war ich es nicht allein. 

Isabella und Adolf  22.7.03