Sonderburg - Den Helder

Hallo alle zusammen!

Hier der erste Reisebericht von uns:

Hinter uns liegen zwei Jahre Vorbereitungen und vor uns liegt ein Traum, der in diesem Augenblick dabei ist, in Erfüllung zu gehen. Die letzten Wochen waren sehr hektisch und wir hofften, rechtzeitig fertig zu werden, um noch etwas Zeit mit unseren Kinder, Brian und Sannie, verbringen zu können. Es klappte nicht alles wie es sollte und wir arbeiteten bis zum Schluss mit der Hilfe unserer tollen Kinder.

Es hieß Abschied nehmen an unserem Liegeplatz D49 zwischen 10 und 11 Uhr und wir müssen sagen, es war ein richtiger. Tausend Dank der Familie, den Freunden, Nachbarn und Arbeitskollegen, die gekommen waren, um uns Auf Wiedersehen bis in einem Jahr zu sagen. Es gab die eine oder andere Träne und einen dicken Klumpen im Hals, als Brian und Sannie uns die Leinen herüber warfen. Nun war da kein Weg mehr zurück.

In der ersten Nacht lagen wir bei Maasholm vor Anker und gingen sehr müde zu Bett. Unsere Gedanken waren die ganze Zeit bei den Kindern, aber wir wussten, dass wir da durch mussten, wenn wir die Tour fortsetzen wollten. Am nächsten Morgen schien die Sonne und das gab uns neue Energie. Es hieß weiter zu kommen. Der Nord-Ostsee Kanal wartete. Wir kamen um die Mittagszeit in Holtenau an und es sah aus, als gucke die Schleuse uns mit großen Augen an. Es war ja das erste Mal, dass wir eine Schleuse benutzen wollten. Es passierte aber nichts weiter, über das man erzählen könnte. Wir fuhren unter Motor rasch weiter im Kanal bis zu einer Weiche weiter oben, wo wir die Nacht verbrachten. Die Tour durch den NO Kanal ist nichts, worüber man nach Hause schreiben könnte: sie ist lang, langweilig und man sieht viele große Frachtschiffe. Insgesamt verlief alles ruhig und ohne besondere Vorkommnisse. Am Abend kamen wir nach Brunsbüttel und machten außen an einem Deutschen fest. Wir schliefen nicht besonders gut dort, es war sehr laut und das Boot schaukelte durch die Wellen ziemlich stark. Am anderen Morgen wollten wir und auch der Deutsche los und als er uns helfen wollte, klemmte er sich seine Hand. Es muss ziemlich weh getan haben, aber er sagte nichts und fuhr davon. Nun lag die Schleuse wieder da und guckte uns an. Wir sollten ja wieder hindurch. Wir hatten den Gezeitenkalender studiert und kamen ein bisschen zu früh aus der Schleuse. Das hätten wir nicht tun sollen, solch ein Gegenstrom stand da draußen noch! Nun wissen wir, dass man erst eine Stunde nach Hochwasser herausfahren sollte, dann klappt es gut. Unsere Sprayhood war Gold wert und wenn wir bis dahin geglaubt hatten, dass sie nicht notwendig sei, so wussten wir jetzt, dass wir das Geld auf keinen Fall umsonst ausgegeben hatten.

Wir segelten nach Cuxhafen und es war gut, Schutz für die Nacht zu finden, in der ein Sturm über uns hinweg fegte. Er blies 4 Tage, die wir in Cuxhafen eingeweht waren. Es waren Windstärken bis zu 9 Beaufort und es war gut, dass wir da nicht draußen waren. Wir konnten umsonst Fahrräder ausleihen, so dass wir in die Stadt kommen konnten. Cuxhafen war das Ziel der Nordatlantikregatta, die in New York gestartet worden war. Die Menschen waren begeistert, wenn ein Boot herein kam. Und nach kurzer Zeit standen wir auch dort und pfiffen und klatschten, wenn ein Boot herein kam. Am meisten Spaß hat es gemacht, zu sehen, dass die meisten der Boote in Dänemark gebaut waren. Darauf waren wir schon ein bisschen stolz. Als der Wind schwächer wurde mussten wir auf die Elbe raus, die angeblich ein wenig bissig werden könnte. Wir hatten den Strom mit uns und alles ging gut, bis ein Holländer, der einen Motorschaden hatte, uns heran winkte und uns um Hilfe bat. Wir schleppten ihn eine Stunde lang, sagten ihm aber dann, dass es nicht mehr ginge. Wir fuhren nur noch 1-2 Knoten und in kurzer Zeit würde sich auch noch der Strom gegen uns wenden, dann würden wir mit ihm im Schlepp rückwärts fahren. Wir riefen ein deutsches Motorboot, aber der wollte nicht helfen. So musste der Holländer den ganzen Weg zurück nach Cuxhafen segeln. Wir konnten bei Tageslicht keinen Hafen mehr erreichen. Wir einigten uns darauf die Nacht durch zu segeln. Aber, ach du Schreck, in dem ganzen Hin und Her hatten wir vergessen, den Computer auszuschalten und der ganze Verbraucherstrom war aufgebraucht. Die Navigation fiel aus und wir hatten kein Licht. Das einzige, was wir benutzen konnten war das Echolot und der Hand-GPS. So segelten wir ohne Licht durch die Nacht. Das war ein wenig ungemütlich, aber es ging und endlich wurde es hell. Wir segelten nach Borkum und als wir gerade im Hafen waren saßen wir auf einmal zwischen zwei Stegen auf Grund. Als wir uns umsahen, merkten wir, dass alle Schiffe auf Grund lagen und viele durch den Modder gezogen worden waren. Ein Holländer half uns, die Grinde auf unseren Platz zu ziehen. Das ging so langsam, dass Adolf es schaffte, die Kamera zu holen und die Helfer zu fotografieren, die an den Tauen zogen. Hier liegt man bei jedem Niedrigwasser auf Grund, so dass man nur bei Hochwasser aus dem Hafen heraus kommt. Der Hafen ist sehr hässlich, aber wenn man viel Zeit hat, hat die Insel einiges an schöner Natur zu bieten. Wir bekamen unsere Batterie am Nachmittag vom Aufladen zurück und segelten noch los.

Wir wollten noch einen Nachttörn machen. Ich (Isabella) legte mich für eine Stunde hin, bevor ich die erste Wache übernehmen sollte. Aber das hätte ich nicht tun sollen, es schaukelte ziemlich und das Abendessen drehte und wendete sich im Magen. Wir hatten gehacktes Rindfleisch aus der Dose gehabt, das ich versucht hatte einigermaßen appetitlich zuzubereiten. Igitt, wie das schmeckte, es sah aus wie Babybrei und roch nach Katzenfutter. Ich bildete mir ein, dass dieses Essen der Grund dafür war, dass ich Bauchschmerzen bekam. Adolf legte sich um 22:00 Uhr zum Schlafen hin und nun sollte ich Nachtwache haben. Ich musste Adolf recht geben, es ist wunderschön in der Nacht. Alles um dich ist dunkel und oben sind wir umringt von dem herrlichsten Sternenhimmel und der Mond, so schön und zum Greifen nah. Das Boot ist umgeben von Millionen kleiner Sterne (Meeresleuchten), die im Wasser funkeln. Das muss man erleben. Ich traf nur einen einzigen großen Schoner unter Segeln, der aussah wie ein Geisterschiff, das leise und ruhig an uns vorbei zog. Um drei Uhr stand Adolf auf und es war an mir zu schlafen. Leider ließ der Wind nach und wir mussten den Motor anschmeißen. So brauchte es eine Zeit, bis ich einschlafen konnte. Wir fuhren in Richtung Den Helder in Holland und glaubten am Nachmittag da zu sein. Der Wind wollte es aber anders und deswegen waren wir erst um 21:00 Uhr im Hafen. Aber was für einen Empfang bekamen wir von der Hafenmeisterin. Sie fand einen freien Platz für uns und zeigte uns, wo alles war. Davon könnten viele Hafenmeister einiges lernen.

Isabella und Adolf     11.07.2003